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Design Print und Online 
Jonas Voegeli, ZHDK, Koordination und Präsidium
Jiří Chmelik, Co-Präsident der Jury

Jonas Voegeli
Jonas Voegeli

Am 15./16. Juni 2016 finden sich 15 Jurymitglieder in der Zürcher Hochschule der Künste (zhdk) zur Bewertung der Gestaltung von Geschäftsberichten ein. Die Jury besteht aus ausgewiesenen Fachleuten aus den Bereichen Design, Online, Realisation und Papier. Jurymitglieder, bei denen die Besorgnis der Befangenheit besteht, treten sowohl in der Jurierung als auch in der Diskussion in den Ausstand.

In der Vorselektion werden wenig ambitionierte Projekte, die kaum Chancen auf eine Platzierung in den ersten hundert Rängen haben, ausgeschieden. Aus der Gesamtliste von 231 Berichten sind 150 Berichte zur allgemeinen Jurierung geeignet. Für die Online­Bewertung werden die für den digitalen Kanal speziell aus der Vorselektion aufbereiteten 91 Berichte zur Jurierung empfohlen.

Die Anzahl der Geschäftsberichte, die digital als Online-Kommunikationsangebot aufbereitet wurden, ist gegenüber den letzten Jahren erneut leicht angestiegen (2014: 45; 2015: 77; 2016: 91). Generell werden mehr Ressourcen in die Online-Versionen gesteckt. Die Suche nach Lösungsansätzen für die Webpräsenz der Geschäfts­berichtsinhalte öffnet einen grossen Fächer an Möglichkeiten.Noch haben sich keine Standards etabliert, dennoch lassen sich drei Lösungstypen erkennen.  Die digitale Vollversion ist bereits in ihrer Erstellung auf die Online-Darstellung ausgerichtet und weist eine enorme Informationstiefe auf (z.B. Geberit). Dieser Bericht wird durch seinen Konzeptionsschwerpunkt (animierte/filmische Inhalte) dem Medium gerecht. Die digitale Kurzversion leitet sich strukturell vom gedruckten Geschäftsbericht ab und bietet viel dynamisch aufbereitete Information, die mit herunterladbaren PDFs ergänzt wird (z.B. Implenia, Valora). In diesem Zusammenhang wird der höheren Rezeptionsgeschwindigkeit des neuen Mediums Rechnung getragen. Eine dritte Variante ist die digitale Teaser-Lösung, die online einen alter­nativen, inszenierenden Inhalt als Ergänzung zum PDF-Download bietet (z.B. HIAG, Raiffeisen). Mit diesem gutenMedienmix von Online und Print kann jeder Kanal seine medialen Stärken spielen lassen. Erstaunt hat, dass einige, teils aufwendig erstellte Online-Berichte ausführungsbezogen Mängel aufweisen: beispielsweise fehlende Responsiveness, Fehler auf einzelnen Browsern und/oder Ausgabegeräten, «broken Links», zweifelhafte Usability und Informationsarchitektur.

Bei den gedruckten Geschäftsberichten treten auch in diesem Jahr diverse Formate und Volumen auf, die sich in den letzten Jahren herausgebildet haben. Parallel zur klassischen Vollversion im A4-Format gibt es kleinformatige Berichte, die in Teilpublika­tionen aufgegliedert sind. Ausschlaggebend für die formale Entscheidung ist das Einsatzgebiet des Berichts, überdies lassen sich PDFs überall problemlos auf A4 ausprinten. Spezialformate inszenieren die Geste der Übergabe und der Lektüre. Teilpublikationen lassen sich zielgruppengerecht distribuieren und sind durch ihre Machart, zum Teil auch über den Verwendungszweck in der Geschäftsberichterstattung hinaus, ein geeigneter Medium (z.B. als Imagepublikation).

Die Rating-Rangliste in der Kategorie Print wird angeführt von Implenia, Valora und der Banque Pictet. Implenia und Valora können sich seit Jahren mit ihren Berichten im Spitzenbereich des Ratings halten. Innerhalb eines gegebenen Rahmens erfinden sich diese Berichte immer wieder neu und überraschen mit aussergewöhnlichen Details und innovativen Erzählstrukturen. Der neu im Rating aufgetauchte Bericht der Banque Pictet überzeugt die Jury mit seiner ruhigen, reduzierten und geschmackvollen Machart. Auf wenigen Seiten bringt er Wesentliches auf den Punkt. Der Bericht ist so angelegt, dass seine Erzählstruktur
für Print wie auch für Online gut funktioniert, insofern vermag er auch in der Kategorie Design Online mit Rang 19 zu überzeugen. Banque Pictet ist in der konsolidierten Wertung in der Kategorie Design Print/Online der Aufsteiger 2016.

Als Aufsteiger in der Kategorie Design Print kann der Bericht von Siegfried gelten. Der Bericht fällt durch seine sorgfältige und aufwendige Herstellungsart auf. Gestaltung dient hier der Gliederung, Strukturierung, aber auch der begeisternden Inszenierung. Der Siegfried-Bericht dient als ein Beispiel für einen kreativen Prozess, der mehr hervorbringt als ein stimmiges Abbild des Unternehmens: Es wird unternehmerische Energie erkennbar.

Die Rangliste in der Kategorie Design Online wird angeführt durch Geberit, gefolgt von Implenia und Raiffeisen. Mit Geberit und Implenia sind zwei umfangreiche Online-Berichte an der Spitze, die schon vor Jahren den Schritt in eine umfassende Online-Lösung realisiert haben und sie ständig gewinnbringend ausbauen. Raiffeisen vermag es, die Jury mit einer spannenden, unterhaltsamen Teaser-Geschichte zu begeistern.

Die konsolidierte Wertung in der Kategorie Design Print/Online bringt Implenia, Geberit und hiag in die vordersten Ränge. Alle Berichte zeichnen sich durch eine umfassende Online-Lösung, eine vielseitige Berichterstattung und sorgfältig gemachte Printprodukte aus.

Eine überzeugende gestalterische Lösung ist das Resultat einer Summe gelungener Details. Bei der Vertiefung und der finalen Jurierung machen immer wieder gestalterische Aspekte Furore.
Einige dieser kreativen Sternstunden haben es verdient, im Folgen­den erwähnt zu werden.