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Value Reporting
Prof. Dr. Alexander F. Wagner, Dr. Sascha Behnk und Ermir Binakaj, Institut für Banking und Finance

Alexander F. Wagner
Prof. Dr. Alexander F. Wagner
Ermir Binakaj
Dr. Sascha Behnk
Ermir Binakaj

Value Reporting als Teil der Investor Relations

In der spätestens seit Annahme der Abzocker-Initiative sich im Umbruch befindlichen Corporate-Governance-Landschaft der Schweiz spielt die Kommunikation von Unternehmen mit ihren Investoren eine zunehmend wichtige Rolle. Value Reporting ist dabei ein besonders zentrales Element wirksamer Investor Relations. Dabei geht es um mehr als nur um eine freiwillige, über die Richtlinien der Börsenaufsicht und Rechnungslegungsstandards hinausgehende Offenlegung. Vielmehr erlaubt das Value Reporting, Investoren mit zusätzlichen, für die Entscheidungsfindung hilfreichen Informationen zu beliefern. Die wertorientierte Bericht­erstattung soll dabei eine Abschätzung der vergangenen und der möglichen zukünftigen Wertentwicklung ermöglichen. Value Reporting bringt sowohl Nutzen als auch Kosten für ein Unter­nehmen mit sich: Es kann Informationsasymmetrien zwischen Investoren und Unternehmen abbauen, was die Glaubwürdigkeit des Managements erhöht und eine günstigere Kapitalmarktfinanzierung erlaubt. Andererseits kann sorgfältiges Value Reporting aufwendig und in manchen Wettbewerbssituationen auch weniger förderlich sein. Deswegen ist es wichtig, dass Manager diesem Thema genügend Aufmerksamkeit schenken und situationsab­hängig eine passende Balance anstreben.

Value Reporting richtet sich an eine Vielzahl von Adressaten, die weit über die Investorengemeinde hinaus reicht. Relevante Informationen müssen daher auch für Mitarbeiter, Finanzanalysten, die Wirtschaftspresse, Rating-Agenturen, Kreditgeber, Anlage­berater sowie die Öffentlichkeit zielgruppengerecht aufbereitet kom­muniziert werden. In unserer Analyse nehmen wir die Sicht eines potenziellen Investors ein, der sich relativ schnell ein Bild eines Unternehmens machen möchte, in das er allenfalls investiert.

Zur Bewertungsmethodik des Value-Reporting-Ratings

Das Value-Reporting-Rating 2016 wurde durch ein Team unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Wagner, Dr. Sascha Behnk und Ermir Binakaj am Institut für Banking und Finance (IBF) der Universität Zürich durchgeführt. 26 engagierte Studierende der Wirtschafts­wissenschaften haben einerseits die Geschäftsberichte und andererseits die Firmenwebsites (Value Reporting im Internet) nach betriebswirtschaftlichen Kriterien im Sinne des Value Reporting bewertet.1

Bei der Analyse der Geschäftsberichte spielen unter anderem folgende Kriterien eine wichtige Rolle: substanzielle Hintergrundinformationen zum Unternehmen wie Erläuterungen zur Strategie,  zu Produkten und Märkten sowie weitere, teils nichtfinanzielle Informationen, welche etwa Angaben zu zukünftigen Investi­tionen, Daten zur Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit oder Informationen zur Markenführung beinhalten. Wichtig sind auch Erläuterungen von Trends und wesentlichen Veränderungen im Unternehmen sowie Auskünfte zur wertorientierten Vergütungspolitik und die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Manche Unternehmen stellen zusätzlich zum gedruckten Geschäftsbericht separate jährliche Berichte auf ihrer Website zur Verfügung, versenden diese aber bisweilen nicht mit dem Geschäftsbericht selbst; dies ist insbesondere beim Thema Nachhaltigkeit der Fall. Einige Unternehmen verzichten zudem gänzlich auf den gedruckten Geschäftsbericht. Um diesen Tendenzen Rechnung zu tragen, berücksichtigt die Value-Reporting-Jury seit dem Geschäftsbericht­jahr 2014 auch die nur im Internet (als PDF) verfügbaren Berichte.

In der Analyse des Value Reporting im Internet wurden die Websites der Unternehmen aus der Perspektive eines Investors bewertet, welcher möglichst zeitnah zu den relevanten Informa­tionen gelangen will. Folgende Bewertungskriterien wurden dabei berücksichtigt: Allgemeine Infos – Unternehmensübersicht, All­gemeine Struktur und Funktionalität, Firmenkalender und Events, Pressemitteilungen und Ad-hoc-Publizität, Reports & Financials, Analysten­dokumentation, Aktionärsinformation, Corporate Governance und Corporate Social Responsibility, Investor-Relations- Archiv, Informationsservice und Social Media (IR 2.0) sowie die allgemeine Benutzerfreundlichkeit (Usability).

Bei der Bewertung der Geschäftsberichte wurde jedes Kriterium mit Noten zwischen 1 (schlechteste Ausprägung) und 6 (beste Ausprägung) bewertet. Bei der Untersuchung des Value Reportings im Internet wurde primär der Erfüllungsgrad (vorhanden/nicht vorhanden) der einzelnen Kriterien gemessen, wobei einige wenige Unterkriterien in Dreierschritten (0, 1 oder 2) bewertet wurden. In beiden Kategorien (Print und Online) wurden die Noten zu den Einzelkriterien gewichtet und jeweils eine Gesamtnote als Durchschnitt errechnet. Abschliessend floss die Gesamtnote des Geschäftsberichts zu 80% und die Gesamtnote des Internetauftritts zu 20% in das finale Value-Reporting-Rating ein.

Die vollständigen Kriterienkataloge der beiden Teilbereiche des Value Reportings sowie weitere Auswertungen können auf der Website des IBF (http://www.bf.uzh.ch/go/Value-Reporting)
eingesehen werden. Zusätzlich finden sich dort auch Beiträge, die im Rahmen des Forschungsprojekts «Value Reporting» am IBF ent­standen sind.2

Resultate des Value-Reporting-Ratings 2016 – Unangefochtende Sieger und überraschende Aufsteiger

Auch im Jahr 2016 heisst der Sieger im Value-Reporting-Rating Swisscom. Das Unternehmen gewinnt in diesem Bereich damit bereits zum fünften Mal in Folge und unterstreicht erneut seine Vorreiterschaft in Sachen Value Reporting. Der gedruckte Geschäftsbericht erreichte die Maximalpunktzahlen in Sachen allgemeiner Eindruck, Hintergrundinformationen sowie Sustainability und setzt somit erneut die Messlatte für die Konkurrenz in diesen Bereichen. Durch die kontinuierlich hohe Qualität auch im Hinblick auf andere Kriterien sichert sich der Telekommunikationsanbieter so den dritten Platz in der Unterkategorie «Gedruckte Geschäftsberichte». In dieser Einzelwertung schafften es einzig Geberit (Platz 1) und Straumann (Platz 2), die Value-Reporting-Jury noch mehr zu beeindrucken als Swisscom. Im Gegensatz zu den weiteren hoch gerankten Unternehmen in diesem Bereich überzeugte Swisscom aber auch online und landete in der zweiten Unterkategorie «Value Reporting im Internet» auf dem vierten Platz. Leicht zulegen konnte das Unternehmen hier vor allem in Sachen Aktionärsinformationen zu Corporate Governance und Corporate Social Responsibility sowie im Bereich Social Media. Die Zusammenführung der beiden Unterkategorien führte schliesslich dazu, dass Swisscom auch 2016 in der Gesamtwertung des Value Reporting wieder den Spitzenplatz belegt.

Neu auf den zweiten Platz in die Top 3 der Gesamtwertung eingestiegen ist die 2015 durch Fusion entstandene LafargeHolcim, welche die im letzten Jahr zweitplatzierte Straumann auf den dritten Platz verdrängte. Verglichen mit dem Vorjahres-Rating der ehemaligen Holcim konnte LafargeHolcim neben der nahezu gleichbleibend hohen Qualität im gedruckten Geschäftsbericht vor allem in der Bewertung des Internetauftritts zulegen. Aus der Perspektive von Investoren zeig-ten sich im Jahr nach der Fusion deutliche Verbesserungen in der Benutzerfreundlichkeit (Usability) sowie in den Bereichen Reports & Financials und Social Media. Straumann verfügte nach wie vor über eine hohe Qualität sowohl im gedruckten Geschäftsbericht als auch im entsprechenden Webauftritt. Trotz hohen Bewertungen reichte
es für die Unternehmen Sulzer, Nestlé, Clariant, Geberit, Sika, Swiss Re und Barry Callebaut knapp nicht für eine Medaille.

Die Top-20: Rangliste Value Reporting 2016

Die nachfolgende Übersicht zeigt die Rangierung der zwanzig Firmen, die im Value-Reporting-Rating 2016 am besten bewertet wurden.

Rangfolge Gesamtwertung

Value Reporting Print

Value Reporting Online/IR

1. Swisscom

3

4

2. LafargeHolcim

4

15

3. Straumann

2

26

4. Sulzer

5

18

5. Nestlé

9

7

6. Clariant

8

11

7. Geberit

1

53

8. Sika

10

20

9. Swiss Re

13

14

10. Barry Callebaut

16

9

11. CS Group

11

31

12. Liechtensteinische Landesbank

12

33

13. Roche

23

2

14. Schindler

14

38

15. Givaudan

15

36

16. Syngenta

17

30

17. UBS Group

24

6

18. OC Oerlikon

21

23

19. Schweizerische Mobiliar

7

92

20. Die Post

6

106

Value Reporting im Geschäftsbericht: Stagnierende Entwicklung

Insgesamt zeigt die inhaltliche Analyse der gedruckten Geschäfts­berichte, dass 73 von 228 Unternehmen (32.0%) beim Rating als genügend – sprich mit einer Gesamtnote von mindestens 4 – ein­gestuft wurden. Obwohl dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahr (34.1%) leicht gesunken ist, lässt sich die langfristige Entwicklung in der Berichterstattung immer noch als positiv beurteilen. Während 2003 gerade die drei besten Berichte als genügend empfunden wurden, so waren es vor drei Jahren noch 25% und vorletztes Jahr knapp 29%. Dennoch schaffte es nur knapp ein Drittel aller bewerteten Berichte zu einer genügenden Note – ein klares Zeichen dafür, dass bei vielen Unternehmen sowohl in der gedruckten Version des Geschäftsberichts als auch bezüglich des Internetauftritts ein ungenutztes Potenzial im Bereich Value Reporting besteht.

Wie bereits in den letzten Jahren punkteten die Unternehmen besonders stark im Kriterium Allgemeiner Eindruck, in dem die Struktur, Auffindbarkeit und Übersicht, aber auch die sprachliche und grafische Darstellung im Geschäftsbericht bewertet wurden. Rund 93% aller Unternehmen erhielten hier eine genügende Note. Zudem konnten in Sachen Hintergrundinformationen erneut über 87% der Unternehmen eine mindestens genügende Note erzielen – insbe­sondere im Bereich Organisation und Prozesse der Corporate Governance sowie in der Diskussion wichtiger Produkte des Unternehmens. Zudem wurden die Risiko-Informationen im Durchschnitt als knapp genügend bewertet, wobei vor allem die Darstellung der Anwendung des Risikomanagements als gut empfunden wurde, wie aus der folgenden Tabelle entnommen werden kann.

Durchschnitt  

Standardabweichung  

Prozentsatz der
Unternehmen
mit genügender
Note (über 4) in %

1. Allgemeiner Eindruck

4,85

0,78

92,5

2. Hintergrundinformationen 

4,54

0,73

82,0

3. Wichtige Non-Financials

2,87

0,98

14,0

4. Trendanalyse

3,26

0,93

26,3

5. Risiko-Informationen

3,95

1,29

58,8

6. Wertorientierte Vergütungspolitik   

3,00

0,83

13,6

7. Management-Diskussion

3,67

0,91

46,9

8. Zieldaten und Glaubwürdigkeit

2,75

1,27

25,9

9. Nachhaltigkeit (Sustainability)

3,22

1,65

43,0

Gesamt (ohne Web)

3,55

0,78

32,0

10. Value Reporting im Internet

3,33

0,55

11,0

Gesamt (mit Web)

3,50

0,65

23,7

Bei der Betrachtung der Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich, dass sich die durch­schnittlichen Bewertungen nur in drei der insgesamt neun Kriterienblöcke erhöht haben – und dies auch nur leicht. Die vergleichsweise grösste Steigerung im Vergleich zum Vorjahr wurde dabei im Kriterium Zieldaten und Glaubwürdigkeit erzielt. Hier gab es deutlich bessere Bewertungen in Bezug auf die Darstellung von Wachstumzielen zu Umsatz und Marktanteilen. Weitere leichte Verbesserungen gab es im Allgemeinen Eindruck und im Bereich Wichtige Non-Financials im Geschäftsbericht, wobei im letzteren Kriterium vor allem die Darstellung zukunfts­gerichteter Investitionen sowie der Innovationsrate und Prozessverbesserungen in diesem Jahr höhere Bewertungen erhielten.

Im Gegensatz dazu fielen die Ergebnisse im Bereich Wertorientierte Vergütungspolitik in 2016 deutlich niedriger aus als noch im Vorjahr – vor allem die Darstellung des konkreten Systems der Managementvergütung betreffend. Nicht im selben Umfang, aber dennoch vergleichsweise schlechter bewertet wurden zudem die Trendanalysen in den Geschäftsberichten in allen Unterkategorien wie «Umsatz», «Gewinn» oder «Investitionen».

Trotz der positiven Langfristentwicklung hat das Gros der Geschäftsberichte aber nach wie vor im Bereich Wichtige Non-Financials erhebliches Verbesserungspotenzial. So suchen Investoren oftmals vergebens nach einer Diskussion der Kunden- oder Mitarbeiter­zufriedenheit, inklusive einer Untermauerung durch Beispiele oder konkrete Massnahmen. Auch ist es für die Investoren selten möglich, konkrete Zieldaten zur Rentabilität oder den Reingewinn zu finden. Dies erschwert Investoren die Einschätzung, ob es sich langfristig lohnt, in ein Unternehmen zu investieren.

Zudem ist die Darstellung der unternehmerischen Nachhaltigkeit im Schnitt immer noch ungenügend. In diesem Kriterium gibt es insgesamt die grösste Diskrepanz zwischen Unternehmen, welche vor allem daraus resultiert, dass einige Unternehmen noch überhaupt kein Sustainability Reporting vornehmen, während ihre Konkurrenten zum Teil eigenständige Berichte zu diesem Thema veröffentlichen. Auch bei vielen der Unternehmen, die bereits eine entsprechende Berichterstattung anfertigen, fehlen bisweilen ­quan­titative Aussagen zur Umweltbelastung oder Sozialpolitik. Anstelle allgemeiner Texte mit vielen Platzhaltern sind hier im Sinne des Value Reportings vor allem Beschreibungen konkreter Projekte und Entwicklungen gefragt, die mit Zahlen und Beispielen hinterlegt werden.

Weiterhin fehlt auf dem Gebiet Wertorientierte Vergütungspolitik in vielen Fällen nach wie vor eine konkrete Schilderung der im Berichtsjahr erreichten Ziele und den daraus abgeleiteten (variablen) Vergütungsbestandteilen in der Beschreibung des Vergütungs­systems. So ist es für den Leser häufig schwierig, aus dem Geschäftsbericht einen klaren Eindruck vom Zusammenhang zwischen Vergütung und erzielter Leistung der Geschäftsleitung (Pay-for-Performance) zu erhalten.

Zudem sei qualitativ angemerkt, dass Informationen sehr oft über den ganzen Bericht verstreut sind, was es dem Investor nicht gerade erleichtert, ein klares Bild des Unternehmens zu erhalten, ohne die oft mehrere hunderte Seiten langen Berichte nach den entsprechend relevanten Informationen zu durchsuchen, welche zum Teil über verschiedene Themenblöcke verteilt sind. Die Darstellung von «Ursache-Wirkung-Zusammenhängen» steckt bei den meisten Unternehmen erst in den Kinderschuhen.

Letztlich erstaunt nach wie vor die unzureichende Zuverlässigkeit vieler Unternehmen bei der Beantwortung von Anfragen seitens ­Interessierter. So wurde über die Hälfte der Geschäftsberichte nicht nach der ersten Kontaktaufnahmen mit dem Unternehmen an die Value-Reporting-Jury versandt – obwohl ein wesentlicher Teil der Bestellungen über das offizielle Bestellformular auf der Firmenwebsite oder per E-Mail an den (bei der SIX eingetragenen) Investor Relations Officer erfolgte. Bei über 70 Unternehmen, also rund einem Drittel des gesamten Samples, war ein drittes E-Mail bzw. ein Telefonanruf nötig, um die Geschäftsberichte zu erhalten oder zu erfahren, dass dieser nicht versendet wird. Einige Unter­nehmen reagierten nicht auf Anfragen.

Value Reporting im Internet: Verbesserungen zeichnen sich ab

Neben dem gedruckten Geschäftsbericht wurde auch das Value Reporting im Internet näher untersucht. In der Nutzung dieses Mediums gibt es weitere Verbesserungen zu beobachten, allerdings nach wie vor nicht so schnell und so umfassend, wie man es er­warten könnte. Die Unternehmen schneiden generell besonders gut in der Allgemeinen Struktur und Funktionalität (z.B.: Ist der Link zur Investor-Relations-Seite auf der Hauptseite klar ersichtlich?), Pressemitteilungen und Ad-hoc-Publizität sowie in der Darstellung von Aktionärsinformationen zu Corporate Governance und Social Respon­sibility ab.

Noch immer verfügen viele Unternehmen über einen nur sehr einfachen Webauftritt, der Investoren nahezu keinen zusätzlichen Informationsgehalt bietet. Dies steht im Widerspruch zu dem Trend, dass Investoren vermehrt auf dieses Medium zur Informa­tionsgewinnung zurückgreifen. Zudem ist die Online-Bericht­erstattung ökologischer als das Drucken hundertseitiger Berichte. Weiter besteht durch das selektive Auswählen einzelner Berichtsteile eine grössere Möglichkeit, die Berichte an die Bedürfnisse der Investoren anzupassen.

Erste Anzeichen dafür, dass Unternehmen dieses Potenzial deutlicher nutzen, gibt es bereits seit einiger Zeit in den Bereichen Pressemitteilungen und Ad-hoc-Publizität sowie in der Analystendokumentation. Aber auch in den anderen Bereichen wie Aktionärsinformationen zu Corporate Governance und Corporate Social Responsibility sowie Social Media ist die Durchschnittsnote gestiegen.

Zudem sind dieses Jahr weitere Unternehmen dazu überge­gangen, ihre Geschäftsberichte in den Internetauftritt zu inte­grieren, und haben dabei die Chance genutzt, diese wesentlich inter­aktiver zu gestalten. So gibt es erneut vermehrt Berichte mit «Cross-Verlinkungen» zwischen Themen oder sogar noch ­interaktivere ­«Online-Reports». Mit dieser zunehmenden Verlagerung auf die Online-Berichterstattung wurden auch die restlichen Inhalte der Website erheblich verbessert.

Nichtsdestotrotz bedarf das Value Reporting im Internet vor allem in den Kategorien Analystendokumentation, Investor-Relations-Archiv und Firmenkalender und Events weiterer Verbesserungen. Trotz eines deutlichen Anstiegs in der Bewertung zeigt sich auch in der Nutzung von Social Media zur Aktionärskommunikation ein hohes Ausbaupotenzial.

Folgende Durchschnittsdaten ergeben sich aus dem Value-Reporting-Rating 2016 für den Online-Bereich:

Durchschnitt
in %
(2016)

Durchschnitt
in %
(2015)

Prozentsatz der
Unternehmen
mit genügender
Note (über 4) in %

0 Allgemeine Infos –
   Unternehmensübersicht

55,20

49,73

44,7

1 Allgemeine Struktur und
   Funktionalität

87,66

91,94

94,7

2 Firmenkalender und Events

33,07

30,89

25,0

3 Pressemitteilungen und
   Ad-hoc-Publizität

77,85

67,35

41,7

4 Reports & Financials

41,41

43,52

11,4

5 Analystendokumentation

30,48

27,23

2,9

6 Aktionärsinformationen,
   Corporate Governance und
   Social Responsibility

65,85

60,78

41,2

7 Investor-Relations-Archiv

35,38

34,81

12,3

8 Informationsservice und
   Social Media (IR 2.0)

35,03

30,94

8,3

9 Usability

55,11

52,99

40,8

9 Gesamt

50,65

49,23

11,0

Die Aufsteiger im Bereich Value Reporting

Viele Unternehmen sind spürbar bestrebt, ihre Berichterstattung zu verbessern. In einzelnen Fällen gibt es grössere Veränderungen, da sich Unternehmen entschlossen haben, deutlich mehr Informationen offenzulegen oder anders zu präsentieren. Solch deutliche Rangverbesserungen sind naturgemäss vorwiegend bei denjenigen Unternehmen möglich, die im Vorjahr noch im Mittelfeld der Rangliste (oder dahinter) lagen.

Das Telekommunikationsunternehmen Sunrise verzeichnet dieses Jahr die grösste Rangverbesserung und steigt 64 Plätze. Im Zug des Börsengangs des Unternehmens 2015 wurde der Geschäftsbericht vollständig überarbeitet und konnte somit eine deutlich positivere Bewertung in nahezu allen Kriterien des Value-Reporting-Rating verzeichnen.

Unmittelbar darauf folgt der Versicherungsanbieter Swiss Life mit 63 Platzverbesserungen im Vergleich zum Vorjahr. Diese Rangverbesserung basiert vor allem auf der erstmaligen Bereitstellung eines Corporate-Social-Responsibility-Berichts, welcher als Teil des Geschäftsberichts veröffentlicht wurde. Neben der deutlich ausführlicheren Darstellung von Umwelt- und Sozialthemen konnte das Unternehmen zudem im Bereich Wichtige Non-Financials punkten wie zum Beispiel in der Diskussion von Mitarbeiterzufriedenheit und Markenführung.

Für die SFS Group als drittplatzierten Aufsteiger zahlte sich der Ausbau der Nachhaltigkeitsberichterstattung ebenfalls aus – das Unternehmen verbesserte sich um 38 Plätze.

Mit Spannung ist zu erwarten, ob die höheren Anforderungen des Markts insbesondere zum Thema Vergütungstransparenz und Corporate Governance in den nächsten Jahren zu einem verbesserten Value Reporting führen werden.

Firma 

Rangverbesserung

Sunrise

+64

Swiss Life

+63

SFS Group

+38

Ausblick: Klasse statt Masse – Mehrbedarf an fokussierter, wertorientierter Berichterstattung

Die Generalversammlungssaison 2016 hat gezeigt, dass vor allem immer mehr Minderheitsaktionäre Wert darauf legen, ihre Stimmrechte wahrnehmen.3 Um die hohen Ansprüche dieser vergleichsweise kritischen Investorengruppe zu erfüllen, gilt es für die Unternehmen heute umso mehr, geeignete Aktionärsinformationen im Sinne einer wertorientierten Berichterstattung bereitzustellen. Auch wenn die Abstimmungsergebnisse in diesem Jahr ein hohes Vertrauen der Anleger in ihre Unternehmen aufzeigen, verarbeiten die Aktionäre die von den Unternehmen bereitgestellten Informationen bewusster als in der Vergangenheit. Dies gilt insbesondere für die Verwaltungsratswahlen und die «Say-on-pay»-Abstimmungen über die zum Teil komplexen Vergütungssysteme für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung.

Besonders Pensionskassen und institutionelle Investoren ­bedienen sich zur Vorbereitung ihrer Stimmentscheide oft der Dienstleistungen von Stimmrechtsberatern, die einen durchaus signi­fikanten Einfluss auf die Ergebnisse der Abstimmungen an Generalversammlungen haben können. Laut einer Umfrage des schweizerischen Stimmrechtsberaters SWIPRA zeichnet sich hier jedoch eine deutliche Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Relevanz veröffentlichter Informationen und dem mit ihnen verbundenen Aufwand bezüglich Aufbereitung (Unternehmensseite) und Aus­wertung (Investorenseite) a.b4 Während die schweizerische Regulierung seit Einführung der Verordnung gegen über­mässige ­Vergütungen (VegüV) vor allem das Thema der Vergütung in den Vordergrund rückte, sahen lediglich 2.8% der Investoren und ­Unternehmen in den Abstimmungen zur Vergütung den grössten Werttreiber eines Unternehmens. Im Gegensatz dazu erachten im Durchschnitt 46.8% beider Seiten die Verwaltungsratswahlen als am wichtigsten für die langfristige Wertgenerierung. Dies steht im deutlichen Gegensatz zum verur-sachten Aufwand, da ein grosser Teil der Unternehmen und Inves-toren (45.5%) die meiste Zeit für den Vergütungsbericht aufwendet. Einen Teil der Lösung lieferten die befragten Investoren gleich mit: So wurden für 37.5% viele, ­jedoch zu wenig relevante Informationen zur Vergütung seitens der Unternehmen offengelegt. Dies zeigt einen erhöhten Bedarf dafür, Aktionärskommunikation genauer auf den Punkt zu bringen.

Zwar gibt es keine allgemeine Best Practice, die für jedes Unternehmen vorschreibt, welche freiwilligen Informationen im Geschäftsbericht enthalten sein sollen und in welchem Umfang bzw. in welcher Form diese am besten zu präsentieren sind. Doch kann und muss jedes Unternehmen ganz bewusste Entscheide zur Value-Reporting-Politik treffen. Insbesondere reicht es oft nicht mehr, nur zu kommunizieren, was ein Unternehmen macht, vielmehr sollte das Management auch kommunizieren, warum gewisse ­Entscheide als richtig erachtet werden.

 

(1)Mit dem vor etwa fünfzehn Jahren initiierten Projekt «Value Reporting» ist das IBF nachhaltig in diesem Bereich forschungsseitig engagiert. Wissenschaftlich wegleitend war dabei Labhart, P.A. (1999): Value Reporting. Informations­bedürfnisse des Kapitalmarktes und Wertsteigerung durch Reporting. Zürich 1999.

(2)Volkart, R. (2015): Finanzielle Berichterstattung im Wandel: Vom Jahresabschluss zum «Integrated Reporting». In: Der Schweizer Treuhänder, Nr. 6–7, 2015, S. 460–486. Eugster, F./Wagner, A. (2015): Value reporting quality, operating per­formance, and stock market valuations. Working Paper, IBF, Universität Zürich 2015. Herunterladbar: ssrn.com/abstract=1879804. Labhart, P./Volkart, R. (2009): Investor Relations als Wertsteigerungsmanagement. In: Kirchhoff, K.R./Piwinger, M. (Hrsg.): Praxishandbuch Investor Relations. Das Standardwerk der Finanzkommunikation. 2. Auflage, München 2009, S. 201–220. Gamper, P. Ch./Volkart, R./Wilde, M. (2006): Value Reporting und aktive Investor Relations – Instrumente der Transparenzsteigerung. In: Der Schweizer Treuhänder, Nr. 9, 2006, S. 642–647.

(3)Für die Saison 2016 stehen die aktuellen Aus­wertungen unter http://swipra.ch/swipra-gv-auswertung-2016/ zur Verfügung. Wagner ist Mitglied des Stiftungsrats von swipra. Behnk ist Research Associate bei swipra.

(4)swipra (2016): Market Discipline and Regulation: http://swipra.ch/wp-content/uploads/swipra_Survey2015_Results_web.pdf.