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Value Reporting
Prof. Dr. Alexander F. Wagner, Dr. Sascha Behnk und Roman Schneider, Institut für Banking und Finance

Alexander F. Wagner
Prof. Dr. Alexander F. Wagner
Ermir Binakaj
Dr. Sascha Behnk
Roman Schneider

Im Schweizer Geschäftsberichte-Rating 2017 wurden die Geschäftsberichte aller Unternehmen bewertet, die im Swiss Performance Index (SPI) vertreten waren. Die Liste wurde zudem um weitere, zum Teil nicht kotierte Firmen ergänzt, so dass die 50 umsatzstärksten Unternehmen der Schweiz, die 25 Banken mit der höchsten Bilanzsumme und die 15 Versicherungen mit den gemäss FINMA höchsten versicherungstechnischen Erträgen im Rating berücksichtigt wurden. Insgesamt umfasste das Geschäftsberichte-Rating 2017 damit 230 Unternehmen.

Dieses Sample wurde von insgesamt drei Jurys bewertet. Erstens durch die Value-Reporting-Jury unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander F. Wagner, Institut für Banking und Finance, ­Universität Zürich, welche das Value Reporting sowohl in den gedruckten Geschäftsberichten als auch in den entsprechenden ­Internetauftritten der Unternehmen bewertete. Zweitens bewertete die Design-Jury unter der Leitung von Jonas Voegeli, Zürcher Hochschule der Künste, das Design der Geschäftsberichte sowohl in der gedruckten Version als auch online. Aus dem Gesamtranking dieser beiden Jurys entstand eine Liste der 12 bestrangierten Geschäfts­berichte (Print und Online). Aus dieser bestimmte die zehnköpfige Schlussjury, die neben Vertretern aus der Value-Reporting- und der Design-Jury aus weiteren in der Praxis tätigen Spezialisten bestand, anschliessend die drei diesjährigen Gesamtsieger.

Value Reporting als Teil der Investor Relations

Die Auseinandersetzung mit wesentlichen Aspekten der langfristigen Wertentwicklung in Unternehmen findet nicht nur in der ­breiten Öffentlichkeit, sondern vor allem aufseiten der Investoren statt. Dabei rücken zunehmend Themen wie Nachhaltigkeit und unternehmerische Gesellschaftsverantwortung, aber auch eine optimale Anreizsetzung durch ausgewogene Vergütungssysteme in den Mittelpunkt. Bei all diesen Themen spielt die Kommunikation in der Beziehung zwischen den Unternehmen und ihren Investoren eine wichtige Rolle.

Das Value Reporting ist dabei ein zentrales Element wirksamer Investor Relations. Dabei geht es um weit mehr als eine freiwillige Offenlegung, die über die Richtlinien der Börsenaufsicht und weitere Rechnungslegungsstandards hinausgeht. Vielmehr erlaubt das Value Reporting, Investoren zusätzliche, für die Entscheidungsfindung relevante Informationen zur Verfügung zu stellen. Die wertorientierte Berichterstattung soll dabei eine Abschätzung der vergangenen und der zukünftigen Wertentwicklung ermöglichen. Dabei bringt Value Reporting sowohl Nutzen als auch Kosten für ein Unternehmen mit sich: Einerseits kann es Informationsasymmetrien zwischen Investoren und Unternehmen abbauen, was die Glaubwürdigkeit des Managements erhöht und eine günstigere Kapitalmarktfinanzierung erlaubt. Andererseits kann umfangreiches Value Reporting aufwendig und in manchen Wettbewerbssituationen auch weniger förderlich sein. Deswegen ist es wichtig, dass das Management ­diesem Thema genügend Aufmerksamkeit schenkt und situationsabhängig eine passende Balance anstrebt.

Im Rahmen des Value-Reporting-Ratings wird primär die Sicht von Investoren eingenommen, welche sich mit vertretbarem Zeitaufwand ein Bild über das Unternehmen machen möchten, das für eine potenzielle Investition in Betracht kommt. Im Bewertungsprozess wird jedoch auch berücksichtigt, dass sich das Value Reporting an eine Vielzahl von Adressaten richtet, die weit über Investoren ­hinaus reicht. Relevante Informationen sollten schliesslich auch für Kunden, Ratingagenturen, Kreditgeber, Anlageberater, die Wirtschaftspresse sowie die allgemeine Öffentlichkeit zielgruppengerecht kommuniziert werden. Der Geschäftsbericht hat dabei nicht zuletzt auch unternehmensintern eine hohe Bedeutung. So können die Zusammenstellung und die Aufbereitung der relevanten Informationen zu einer Schärfung der eigenen Ausrichtung und zu einer verbesserten internen Kommunikation beitragen. Die im Geschäfts­bericht vermittelte Aufstellung des Unternehmens und seiner Werttreiber bietet somit nicht nur für externe Interessengruppen, sondern auch für die eigenen Mitarbeitenden – insbesondere auch für Neuzugänge – eine nachhaltige Orientierung.

Bewertungsmethodik des Value-Reporting-Ratings

Das Value-Reporting-Rating 2017 wurde durch ein Team unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Wagner, Dr. Sascha Behnk und Roman Schneider am Institut für Banking und Finance (IBF) der Universität Zürich durchgeführt. 30 qualifizierte und engagierte Studierende der Wirtschaftswissenschaften haben sowohl die ­Geschäftsberichte als auch die Firmenwebsites (Value Reporting im ­Internet) nach betriebswirtschaftlichen Kriterien im Sinne des Value Reporting bewertet.1

Bei der Analyse der Geschäftsberichte spielen unter anderem ­folgende Kriterien eine wichtige Rolle: substanzielle Hintergrundinformationen zum Unternehmen wie Erläuterungen zur Strategie, zu Produkten und Märkten sowie weitere, teils nicht finanzielle Informationen, welche etwa Angaben zu zukünftigen Investitionen, zur Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, zu Innovationen oder zur Markenführung beinhalten. Wichtig sind zudem Erläuterungen von Trends und wesentlichen Veränderungen im Unternehmen sowie Auskünfte zur wertorientierten Vergütungspolitik, zum Risiko­management und die Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Einige Unternehmen stellen zusätzlich zum gedruckten Geschäfts­bericht weitere jährliche Berichte separat auf ihrer Website zur ­Verfügung, versenden diese aber bisweilen nicht mit dem Geschäfts­bericht selbst. Dies ist insbesondere beim Thema Nachhaltigkeit der Fall. Beobachten lässt sich zudem, dass manche Unternehmen die klassischen Bereiche des Geschäftsberichts in mehreren Einzel­publikationen veröffentlichen, meist getrennt nach rein quantitativen und eher qualitativen Angaben. Während dieses Vorgehen auf den ersten Blick eine zielgruppenorientiertere Bündelung der Informationen ermöglichen mag, kann es gleichzeitig den Gesamtüberblick und damit die Auffindbarkeit möglicherweise relevanter Informa­tionen für die Interessenten erschweren. Selbst für Finanzanalysten und «Zahlenmenschen» ist der qualitative, nicht finanzielle Kontext zunehmend von Bedeutung. Einige Unternehmen verzichten zudem gänzlich auf den gedruckten Geschäftsbericht. Um diesen Tendenzen Rechnung zu tragen, berücksichtigt die Value-Reporting-Jury seit dem Geschäftsberichtjahr 2014 auch die nur im Internet (als PDF) verfügbaren Berichte.

In der Analyse des Value Reporting im Internet werden die Websites der Unternehmen aus der Perspektive eines Investors bewertet, welcher möglichst zeitnah zu den relevanten Informationen gelangen möchte. Folgende Bewertungskriterien werden dabei berücksichtigt: allgemeine Infos zu Unternehmen, Struktur und Funktionalität, Firmen­kalender und Events, Pressemitteilungen und Ad-hoc-Publizität (sofern ­kotiert), Reports & Financials, Analystendokumentation, Aktionärsinforma­tionen, Corporate Governance und Corporate Social Responsibility, ­Investor-Relations-Archiv, Informationsservice und Social Media (IR 2.0) sowie die allgemeine Benutzerfreundlichkeit («Usability»).

Bei der Bewertung der Geschäftsberichte wird jedes Kriterium mit Noten zwischen 1 (schlechteste Ausprägung) und 6 (beste ­Ausprägung) bewertet. Bei der Untersuchung des Value Reporting im Internet wird primär der Erfüllungsgrad (vorhanden/nicht ­vorhanden) der einzelnen Kriterien gemessen, wobei einige wenige Unterkriterien in Dreierschritten (0, 1 oder 2) bewertet werden. In beiden Kategorien (Print und Online) werden die Noten zu den Einzelkriterien gewichtet und es wird jeweils eine Gesamtnote als Durchschnitt errechnet. Abschliessend fliesst die Gesamtnote des Geschäftsberichts zu 80% und die Gesamtnote des Internetauftritts zu 20% in das finale Value-Reporting-Rating ein.

Der vollständige Kriterienkatalog des Value Reporting (Print und Online) sowie weitere Auswertungen können auf der Website des IBF (http://www.bf.uzh.ch/go/Value-Reporting) eingesehen werden. Zusätzlich finden sich dort auch Beiträge, die im Rahmen des Forschungsprojekts «Value Reporting» am IBF entstanden sind.2

Resultate des Value-Reporting-Ratings 2017 – beständige Qualität mit wenig Dynamik im Topsegment

Wie bereits in den Vorjahren ist auch 2017 Swisscom als Sieger aus dem Value-Reporting-Rating hervorgegangen. Das Unternehmen überzeugte mit einer über alle Bewertungskriterien ausgeprägten Qualität in der wertorientierten Berichterstattung – sowohl in der gedruckten Variante des Geschäftsberichts als auch im Webauftritt des Unternehmens.

Im Printbereich erreichte das Unternehmen die Maximalpunktzahl in den Bereichen Allgemeiner Eindruck sowie Nachhaltigkeit und gilt somit in diesen Bereichen nach wie vor als Massstab. Der be­züglich des gedruckten Geschäftsberichts im Vorjahr noch drittplatzierte Telekommunikationsanbieter belegt nun den zweiten Platz in dieser Kategorie durch kontinuierlich hohe Punktzahlen zu allen Kriterien und leicht erhöhte Bewertung im Bereich Zieldaten und Glaubwürdigkeit. Dabei lag vor Swisscom im Printbereich einzig Geberit, die sich wie bereits im Vorjahr den ersten Platz in diesem Bereich sicherte. Swisscom überzeugte zudem erneut auch online und konnte sich im Kriterium Value Reporting im Internet im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls um einen Rang auf Platz drei verbessern. Vor Swisscom lagen in Sachen Webauftritt in diesem Jahr Roche auf Platz zwei und die erstplatzierte Credit Suisse. Die Zusammenführung der beiden Unterkategorien führte schliesslich dazu, dass Swisscom auch 2017 in der Gesamtwertung des Value Reporting wieder den Spitzenplatz belegte.

Auf Platz zwei in der Gesamtwertung des Value Reporting lag wie 2016 LafargeHolcim. Das Unternehmen hatte bereits im Vorjahr neben einer beständig hohen Qualität im gedruckten Geschäfts­bericht vor allem durch eine erhöhte Bewertung des Internetauftritts überzeugt. Neu auf dem dritten Platz in der Value-Reporting-­Gesamtwertung eingestiegen ist UBS, welche die im letzten Jahr drittplatzierte Straumann auf den 4. Platz verdrängte. Neben leicht erhöhten Bewertungen in verschiedenen Unterkriterien haben sich bei UBS 2017 vor allem die Wichtigen Non-Financials im Print­bereich verbessert. Trotz hohen Bewertungen reichte es neben Straumann für die nächstplatzierten Unternehmen Geberit, SGS, Credit Suisse, Clariant, Sulzer und Zürcher Kantonalbank ebenfalls nicht für die Top 3 im Value Reporting.

Die Top-20: Rangliste Value Reporting 2017

Die nachfolgende Übersicht zeigt die Rangierung der zwanzig Firmen, die im Value-Reporting-Rating 2016 am besten bewertet wurden.

Rangfolge Gesamtwertung

Value Reporting Print

Value Reporting Online/IR

1. Swisscom

2

3

2. LafargeHolcim

3

6

3. UBS

8

5

4. Straumann

4

22

5. Geberit

1

35

6. SGS

6

17

7. Credit Suisse

11

1

8. Clariant

12

9

9. Sulzer

5

47

10. Zürcher Kantonalbank

7

39

11. Sika

13

21

12. Nestlé

16

26

13. Givaudan

15

31

14. OC Oerlikon

21

14

15. Swiss Re

22

10

16. St. Galler Kantonalbank

17

40

17. Die Post

9

78

18. Liechtensteinische Landesbank

10

77

19. Barry Callebaut

25

18

20. Syngenta

20

41

Value Reporting im Geschäftsbericht: positive Entwicklung setzt sich fort

In Bezug auf die gedruckten Geschäftsberichte zeigt die inhaltliche Analyse, dass 90 von 230 Unternehmen (39,1%) beim Rating als ­genügend – sprich mit einer Gesamtnote von mindestens 4 – ein­gestuft wurden. Dieser Anteil liegt damit deutlich höher als 2016 (32,0%) und 2015 (34,1%). Insgesamt zeigt sich daher nach der Stagnation im vergangenen Jahr weiterhin eine positive Entwicklung in der Berichterstattung. Denn während 2003 gerade die drei besten Berichte als genügend empfunden wurden, waren es vor drei Jahren nur 28,8%. Dennoch schafften es auch dieses Jahr deutlich weniger als die Hälfte aller bewerteten Berichte zu einer genügenden Note. Dies ist nach wie vor ein klares Zeichen dafür, dass bei vielen Unternehmen in der gedruckten Version des Geschäftsberichts ungenutztes Potenzial in der wertorientierten Berichterstattung besteht.

Wie bereits in den letzten Jahren punkteten die Unternehmen besonders stark im Kriterium Allgemeiner Eindruck, in dem die Struktur, Auffindbarkeit und Übersicht, aber auch die sprachliche und grafische Darstellung im Geschäftsbericht bewertet wurden. 89,6% aller Unternehmen erhielten hier eine genügende Note, wie der nachfolgenden Tabelle entnommen werden kann. Zudem wurde die Qualität der Hintergrundinformationen bei 82,2% der Unter­nehmen mit einer mindestens genügenden Note bewertet – ins­besondere in der Diskussion wichtiger Produkte des Unternehmens und im Bereich Organisation der Corporate Governance. Zudem ­erhielt erneut mehr als die Hälfte der Unternehmen bei den Risikoinformationen eine genügende Note, wobei vor allem die Darstellung der Anwendung des Risikomanagements als gut empfunden wurde.

Durchschnitt  

Standardabweichung  

Prozentsatz der
Unternehmen
mit genügender
Note (über 4) in %

1. Allgemeiner Eindruck

4,82

0,86

89,6

2. Hintergrundinformationen 

4,50

0,73

82,2

3. Wichtige Non-Financials

3,01

0,94

17,4

4. Trendanalyse

3,36

0,89

30,4

5. Risikoinformationen

3,98

1,30

59,1

6. Wertorientierte Vergütungspolitik   

3,75

1,08

48,3

7. Managementdiskussion

3,66

0,90

43,9

8. Zieldaten und Glaubwürdigkeit

2,70

1,20

21,3

9. Nachhaltigkeit (Sustainability)

3,26

1,68

44,8

Gesamt (ohne Web)

3,64

0,78

39,1

10. Value Reporting im Internet

3,42

0,57

14,0

Gesamt (mit Web)

3,60

0,71

34,6

Bei der Betrachtung der Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich, dass neben einer deutlich höheren Bewertung des Kriteriums Wertorientierte Vergütungspolitik auch in den Bereichen Wichtige Non-Financials und Trendanalyse in diesem Jahr bessere Noten vergeben wurden. Vergleichsweise etwas schlechter bewertet wurden die gedruckten Geschäftsberichte im Bereich Zieldaten und Glaubwürdigkeit, gefolgt vom Allgemeinen Eindruck und von Hintergrundinformationen. Die Rückgänge fallen dabei jedoch verhältnismässig moderat aus.

Trotz der positiven Langfristentwicklung hat das Gros der Geschäftsberichte aber nach wie vor im Bereich Wichtige Non-Financials erhebliches Verbesserungspotenzial. So suchen Investoren oftmals vergebens nach relevanten Informationen zur Markenpflege sowie zur Kunden- oder Mitarbeiterzufriedenheit, inklusive deren Untermauerung durch Umfrageergebnisse und konkrete Massnahmen. Im Bereich der Trendanalyse gibt es insbesondere bei der Darstellung des Investitionstrends über mehrere Jahre und einer plausiblen Erläuterung dieser Entwicklungen Nachholbedarf. Zudem ist es für Investoren nur selten möglich, im Bereich Zieldaten und Glaubwürdigkeit konkrete Quantifizierungen und Kommentierungen zu den gesetzten Rentabilitäts- und Reingewinnzielen zu finden. Dies erschwert Investoren die Einschätzung, ob es sich langfristig lohnt, in ein Unternehmen zu investieren.

Nach wie vor zeigt sich, dass die unternehmerische Nachhaltigkeit im Schnitt immer noch ungenügend dargestellt wird. In diesem Kriterium gibt es insgesamt die grösste Diskrepanz zwischen Unter­nehmen, welche vor allem daraus resultiert, dass einige Unter­nehmen kein Sustainability Reporting vornehmen, während ihre Konkurrenten zum Teil umfangreiche Berichte zu diesem Thema veröffentlichen. Auch bei vielen der Unternehmen, die bereits eine entsprechende Berichterstattung anfertigen, fehlen bisweilen quantitative Aussagen zur Umweltbelastung oder Sozialpolitik. Anstelle allgemeiner Texte mit vielen Platzhaltern sind hier im Sinne des Value Reporting vor allem Beschreibungen konkreter Projekte und Entwicklungen gefragt, die mit Zahlen und Beispielen hinterlegt werden.

Bemerkenswert ist die diesjährige Verbesserung auf dem Gebiet Wertorientierte Vergütungspolitik. Trotzdem fehlt in vielen Fällen weiterhin eine Darlegung der im Berichtsjahr erreichten Ziele und der daraus abgeleiteten, variablen Vergütungsbestandteile in der Beschreibung des Vergütungssystems. Während immer mehr Unter­nehmen zumindest eine Zielerreichung auf aggregiertem Niveau veröffentlichen, werden in vielen Geschäftsberichten nach wie vor keine Angaben zu diesem Aspekt gemacht. So ist es für den Leser häufig schwierig, aus dem Geschäftsbericht einen klaren Eindruck vom Zusammenhang zwischen gezahlter Vergütung und erzielter Leistung der Geschäftsleitung (Pay-for-Performance) zu erhalten.

Zudem sei auch an dieser Stelle angemerkt, dass Informationen sehr oft über den gesamten Geschäftsbericht verteilt präsentiert werden, was es Investoren erschwert, ein klares Bild des Unternehmens zu erhalten, ohne die oft mehrere hundert Seiten langen Berichte nach den entsprechend relevanten Informationen zu durchsuchen. Erschwert werden der Überblick und der Zugang zu den Informationen wie eingangs erwähnt zusätzlich, wenn Geschäftsberichte in verschiedene, separat publizierte Berichte aufgeteilt werden.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Darstellung von Ursache-Wirkung-­Zusammenhängen bei den meisten Unternehmen erst in den Kinder­schuhen steckt. Um sich als Investor ein integratives Bild über das Unternehmen zu verschaffen und Entscheidungen des Managements besser nachvollziehen zu können, wäre eine deutlichere Darstellung der kausalen Zusammenhänge in den wesentlichen Bereichen des Value Reporting in Zukunft wünschenswert.

Value Reporting im Internet: leichte Verbesserungen in allen Bereichen

Neben dem gedruckten Geschäftsbericht wurde auch das Value Reporting im Internet näher untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Digitalisierung und damit auch eine Verlagerung von Informationen zur wertorientierten Berichterstattung in den Webauftritt der Unternehmen weiter voranschreiten. So ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr in allen Hauptkriterien ein positiver Trend zu verzeichnen, wie der folgenden Tabelle zu entnehmen ist. Zudem sind einige Unternehmen in den vergangenen Jahren dazu übergegangen, ihre Geschäftsberichte in den Internetauftritt zu integrieren. Sie haben dabei die Chance genutzt, diese wesentlich interaktiver zu gestalten.

Insgesamt schneiden die Unternehmen besonders gut in der Allgemeinen Struktur und Funktionalität, bei Pressemitteilungen und Ad-hoc-Publizität (bei kotierten Unternehmen) sowie in der Dar­stellung von Aktionärsinformationen zu Corporate Governance und Social Responsibility ab. Zudem zeigt sich in den Bereichen Pressemitteilungen und Ad-hoc-Publizität, Analystendokumentation sowie in Bezug auf das Investor-Relations-Archiv, dass Unternehmen das Potenzial ihrer Webauftritte im Sinne des Value Reporting stärker als bisher nutzen. Diese Bereiche sind im Vergleich zum Vorjahr am deutlichsten in der Bewertung gestiegen.

Dennoch sind die Steigerungen nicht so umfassend, wie man es erwarten könnte. So bedarf das Value Reporting im Internet trotz den erwähnten Verbesserungen vor allem in den Kategorien Analysten­dokumentation, Investor-Relations-Archiv sowie Firmenkalender und Events weiterer Verbesserungen. Es zeigt sich ausserdem in der Nutzung von Social Media zur Kommunikation mit Investoren nach wie vor ein hohes Ausbaupotenzial.

Bemerkenswert ist, dass selbst viele der Unternehmen, die in Bezug auf den gedruckten Geschäftsbericht sehr gut abschneiden, zum Teil noch deutliches, unausgeschöpftes Potenzial im Online-Value-Reporting aufweisen. So lag knapp die Hälfte der Unternehmen, welche es in diesem Jahr in die Top 12 der gedruckten Geschäfts­berichte schafften, zwischen den Rängen 35 und 78 in der Bewertung der Webauftritte.

Viele Unternehmen verfügen zudem immer noch über einen sehr einfachen Webauftritt, der Investoren nur wenig zusätzlichen Informationsgehalt bietet. Dies steht im Widerspruch zu dem Trend, dass Investoren vermehrt auf dieses Medium zur Informations­gewinnung zurückgreifen. Zudem ist die Online-Berichterstattung natürlich ökologischer als das Drucken der Geschäftsberichte.

Folgende Durchschnittsdaten ergeben sich aus dem Value-­Reporting-Rating 2017 für den Online-Bereich:

Durchschnitt
in %
(2016)

Durchschnitt
in %
(2015)

Prozentsatz der
Unternehmen
mit genügender
Note (über 4) in %

0 Allgemeine Infos –
   Unternehmensübersicht

55,20

49,73

44,7

1 Allgemeine Struktur und
   Funktionalität

87,66

91,94

94,7

2 Firmenkalender und Events

33,07

30,89

25,0

3 Pressemitteilungen und
   Ad-hoc-Publizität

77,85

67,35

41,7

4 Reports & Financials

41,41

43,52

11,4

5 Analystendokumentation

30,48

27,23

2,9

6 Aktionärsinformationen,
   Corporate Governance und
   Social Responsibility

65,85

60,78

41,2

7 Investor-Relations-Archiv

35,38

34,81

12,3

8 Informationsservice und
   Social Media (IR 2.0)

35,03

30,94

8,3

9 Usability

55,11

52,99

40,8

9 Gesamt

50,65

49,23

11,0

Die Aufsteiger im Bereich Value Reporting

Viele Unternehmen sind spürbar bestrebt, ihre Berichterstattung zu verbessern. In einzelnen Fällen gibt es grössere Veränderungen, da sich Unternehmen entschlossen haben, deutlich mehr Informationen offenzulegen oder anders zu präsentieren. Solch deutliche Rangverbesserungen sind naturgemäss vorwiegend bei denjenigen Unternehmen möglich, die im Vorjahr noch im Mittelfeld oder im unteren Bereich der Rangliste lagen. Hier können – abhängig von den Bewertungen im eigenen Umfeld der Rangliste – zum Teil auch moderate Punkterhöhungen für eine deutliche Verbesserung des Listenplatzes ausreichen.

Im diesjährigen Value-Reporting-Rating verzeichnete das Textilunternehmen Calida die stärkste Rangverbesserung und stieg um 52 Plätze. Im Vergleich zum Vorjahr wurde der qualitative Abschnitt des Geschäftsberichts deutlich ausgebaut, wodurch das Unternehmen einen Punktzuwachs in vielen Kriterien zum Value Reporting im gedruckten Geschäftsbericht erzielte. Dabei konnten die meisten Punkterhöhungen in den Bereichen Trendanalyse und Managementdiskussion verzeichnet werden.

Auf dem zweiten Platz der Aufsteiger folgt die Investment- und Beratungsgesellschaft Swiss Finance & Property mit 50 Rangverbesserungen im Vergleich zum Vorjahr. Diese Verbesserungen basieren ebenfalls auf einer Erweiterung des qualitativen Teils des Geschäftsberichts, vor allem auf der erstmaligen Bereitstellung eines Abschnitts zur Nachhaltigkeit. Neben dieser Diskussion von Umwelt- und Sozialthemen konnte das Unternehmen auch in weiteren Bereichen punkten, beispielsweise Wichtige Non-Financials.

Das Versicherungsunternehmen Helvetia konnte als drittplatzierter Aufsteiger ebenfalls in verschiedenen Bewertungskriterien Punktzuwächse verzeichnen. So wurden unter anderem eine deutliche Konkretisierung der Nachhaltigkeitsstrategie sowie Verbesserungen in der Managementdiskussion durch die Value-Reporting-Jury gewürdigt. Das Unternehmen verbesserte sich insgesamt um 42 Plätze.

Firma 

Rangverbesserung

Calida

+52

Swiss Finance & Property

+50

Helvetia

+42

Ausblick: Investoren fordern relevante Informationen

Im Rahmen des Schweizer Geschäftsberichte-Ratings 2017 können die bewerteten Geschäftsberichte in der Mehrzahl der Kriterien zur wertorientierten Berichterstattung eine positive Entwicklung verzeichnen. Dennoch fällt die Gesamtentwicklung wie in den vergangenen Jahren trotz einigen progressiven Berichte erneut verhält­nismässig moderat aus. Massgeblich dafür ist, dass in vielen Fällen nahezu keine Veränderung im qualitativen Teil des Geschäftsberichts beobachtet werden konnte. Dabei wurden teilweise auch einfach zu generierende und grundlegende Informationen zur langfristigen Wertgenerierung im Unternehmen nicht bereitgestellt. Dies zeigt, dass das Bewusstsein für die Bedeutung des Value Reporting in der Kommunikation mit externen und internen Interessengruppen bei einigen Unternehmen noch nicht voll ausgeprägt ist.

Es gibt keine allgemeine Best Practice, die für jedes Unternehmen vorschreibt, welche freiwilligen Informationen im Geschäftsbericht enthalten sein und in welchem Umfang bzw. in welcher Form diese präsentiert werden sollten. Jedes Unternehmen kann und muss ganz bewusste Entscheide zur Value-Reporting-Politik selber treffen. Gewisse allgemeine Trends sind allerdings wahrzunehmen. Ins­besondere das Integrated Reporting (IR) Framework gewinnt (trotz sicherlich auch kritisch zu hinterfragenden Aspekten 3) hierzulande an Bedeutung. Ein Beispiel stellt in der aktuellen Saison das Spezialchemie-Unternehmen Clariant dar, welches für das Geschäftsjahr 2016 seinen ersten nach den Richtlinien des International Integrated Reporting Council erstellten, integrierten Geschäftsbericht veröffentlichte. Auch wenn Clariant bereits in den vergangenen Jahren viele wichtige Aspekte des Value Reporting im Geschäftsbericht kommunizierte und daher bereits bis dato sehr gut im Rating abschnitt, zeigt das Unternehmen durch diesen Schritt ein steigendes Bewusstsein für die Bedeutung eines solchen, dem Value Reporting sehr nahestehenden Rahmenwerks.4

Dass sich dieses Bewusstsein auch aufseiten der Investoren herausbildet und die dafür relevanten Informationen vermehrt eingefordert werden, zeigt sich unter anderem an dem vielfach diskutierten und abstimmungsrelevanten Thema der Managementvergütung. Laut einer Umfrage des schweizerischen Stimmrechtsberaters SWIPRA steht für die Mehrheit der Investoren (53,6%) die Vergütung des Managements von kotierten Schweizer Unternehmen in keinem vernünftigen Verhältnis zur ausgewiesenen Leistung.5 Eine Erklärung dafür liegt in einer möglicherweise unzureichenden Offenlegung zur Pay-for-Performance. So zeigten sich lediglich 8,9% der Investoren klar zufrieden mit den dazu verfügbaren Informationen. Zwischen dem Bedarf der Investoren an relevanten Informationen zu diesem Bereich und der Bereitschaft von Unternehmen, diese zur Verfügung zu stellen, besteht jedoch eine deut­liche Diskrepanz. So gaben nur 17,7% der Unternehmen an, für die Vorbereitung vergütungsrelevanter Themen im Hinblick auf Generalversammlungen die meiste Zeit für die Erklärung der Pay-for-Performance aufgewendet zu haben. Gleichzeitig sind mittlerweile viele Investoren bereit, Vergütungstraktanden auf den Generalversammlungen abzulehnen, sollte das kommunizierte System nicht ihren Anforderungen entsprechen.

Es bleibt abzuwarten, ob ähnliche Bedürfnisse der Investoren auch in anderen für das Value Reporting relevanten Aspekten durch diese wichtige Interessengruppe vermehrt an die Unternehmen herangetragen werden. Ihr Wunsch nach relevanten Informationen und einem Verständnis für das ganzheitliche Wirken der Unternehmen zeigt aber deutlich, dass es oft nicht mehr ausreicht, zu kommunizieren, was ein Unternehmen macht, sondern das Management sollte viel mehr kommunizieren, warum gewisse Entscheide als richtig erachtet werden.

 

(1)Mit dem vor fast 20 Jahren initiierten Projekt «Value Reporting» ist das IBF nachhaltig in der Forschung zu diesem Bereich engagiert. Wissenschaftlich wegleitend war dabei Labhart, p. a. (1999): Value Reporting. Informationsbedürfnisse des Kapitalmarktes und Wertsteigerung durch Reporting. Zürich 1999.

(2)Volkart, R. (2015): Finanzielle Berichterstattung im Wandel. Vom Jahresabschluss zum «Integrated Reporting». In: Der Schweizer Treuhänder, Nr. 6–7, 2015, S. 460–486. Eugster, F./Wagner, A. (2017): Value reporting quality, operating performance, and stock market valuations. Working Paper, IBF, Universität Zürich 2017. Herunterladbar: ssrn.com/abstract=1879804. Labhart, P./Volkart, R. (2009): Investor Relations als Wertsteigerungsmanagement. In: Kirchhoff, K. R./Piwinger, M. (Hrsg.): Praxishandbuch Investor Relations. Das Standardwerk der Finanzkommunikation. 2. Auflage, München 2009, S. 201–220. Gamper, P. Ch./Volkart, R./Wilde, M. (2006): Value Reporting und aktive Investor Relations – Instrumente der Transparenzsteigerung. In: Der Schweizer Treuhänder, Nr. 9, 2006, S. 642–647.

(3)Siehe Volkart (2015), supra Fussnote 2.

(4)Eugster/Wagner (2017), supra Fussnote 2, zeigen tabellarisch den Zusammenhang des Value-Reporting-Ratings und der Kernelemente des IR Frameworks auf.

(5)SWIPRA (2016): Corporate Governance between Globalization, Shareholder Activism and Proxy Advisors: http://swipra.ch/wp-content/uploads/swipra_Survey2016_Results_web.pdf. Wagner ist Präsident des Stiftungsrats von SWIPRA. Behnk ist Research Associate bei SWIPRA.