Ranking

Die Sieger Gesamtwertung

Laudatio für den 2. Gesamtrang
Michel Gerber,
Leiter Kommunikation und Investor Relations VAT Group AG, Präsident IR Club Schweiz

Clariant als Gewinnerin des zweiten Platzes ist keine Unbekannte, hat sie doch die Schlussjury seit 2013 immer wieder zu lebhaften Diskussionen angeregt. Seit dieser Zeit ist Clariant jedes Jahr in der Schlussrunde der besten Geschäftsberichte, das Resultat einer konstant hohen Qualität sowohl beim Value Reporting wie auch beim Design. Dieses Jahr hat es Clariant nach 2013 und 2016 wieder für das Podest gereicht und wenn auch nicht bis ganz zuoberst wie im vergangenen Jahr, so doch auf den sehr guten 2. Rang. Herzliche Gratulation dafür!

Vor einem Jahr wurde an dieser Stelle die Siegeslaudatio mit Bernhard Schweizer von einem richtigen Fan gehalten und auch dieses Jahr gab es bei der Verteilung der Spitzenplätze wenig Diskussionen darüber, ob Clariant zu berücksichtigen sei. Die wiederum hervorragenden Platzierungen in den Kategorien Value Reporting  und auch Design sorgten für eine starke Basis. 

Neben den klassischen Pluspunkten wie einer hervorragenden Typografie, dem gelungenen Einsatz von Grafiken und der annähernden Vollständigkeit der Informationen im Value-ReportingTeil gab es dieses Jahr aber noch eine weitere Veränderung.

Ein kleines, aber wichtiges Detail beim diesjährigen Bericht könnte beim raschen Überfliegen fast übersehen werden. Da steht nun auf der Titelseite zum ersten Mal nicht Geschäftsbericht 2016, sondern nicht unbescheiden «Integrierter Bericht 2016».

Diese neue Ausrichtung hat das Ziel, dem Leser zu zeigen, wie das Unternehmen Mehrwert in den drei Dimensionen Performance, People und Planet schaffen will. Diese drei Bereiche werden dabei von Clariant durch den ganzen Bericht und im Speziellen durch ein ausklappbares Chart erklärt.

«Performance, People, Planet» sind dabei als Input respektive verwendete Ressourcen definiert. Diese werden durch die «Clariant Vision, Mission und Unternehmenswerte» in einen positiven «Output» für Kunden, Aktionäre, Mitarbeitende und die Umwelt umgewandelt. Nach einer kurzen Zeit des Einlesens wird das dreiseitige Chart gut verständlich und gibt dem Leser mit einer übersichtlichen Anzahl von Kennzahlen einen Einblick darüber, wie sich Clariant im Bereich der integrierten Betrachtung darstellt und in der Folge auch messen lassen will.

Dieser von Clariant getätigte Schritt wird in Zukunft von vielen anderen Unternehmen ebenfalls aufgenommen werden und es wird sich in einigen Jahren – wenn für neue Kennzahlen auch Vergleichszahlen vorliegen – zeigen, ob diese integrierte Berichterstattung nicht nur in einem Bericht gut aussieht, sondern auch in der Gesamtleistung und Bewertung eines Unternehmens nachweislichen Mehrwert schaffen.

Der Schritt hin zum Integrated Reporting beschleunigt aber auch eine Tendenz, die nicht nur positiv zu werten ist. Mit 244 Seiten ist der Clariant Geschäftsbericht – nota bene eine Non-Financial Company – wie fast alle Finalisten das, was man umgangssprachlich als füllig bezeichnen würde. Wie im realen Leben, wo der Trend zum Übergewicht immer ausgeprägter zu werden scheint, ist auch bei den Geschäftsberichten eine Entwicklung im Gang, welche es kritisch zu beobachten gilt. Im Falle der Clariant wird das noch durch eine mehr als 30-seitige «Homestory» über einen Mitarbeitenden akzentuiert. Die zwölf Finalisten hatten im Durchschnitt einen Umfang von gut 230 Seiten und nur ein Geschäftsbericht hat es geschafft, sich mit 140 Seiten kurz zu fassen.

Natürlich kann man jetzt einwenden, dass diese Seiteninflation den immer umfangreicheren Informationsansprüchen der Leser geschuldet ist und dass die jedes Jahr ansteigenden Anforderungen der Regulatoren Schuld daran sind. Dies ist sicherlich richtig, und wenn man die Teile der Corporate Governance oder des Vergütungsberichts anschaut, merkt man auch, dass aufgrund der geforderten Information ein bestimmtes Volumen kaum unterschritten werden kann, etwas was sicher auch für den Finanzteil zu trifft.

Tatsache ist aber auch, dass es generell schwierig zu sein scheint, sich kurz zu fassen, ohne an Substanz im Text zu verlieren. Konzentration auf das Wesentliche, einfache verständliche Formulierungen und auch das mutige Weglassen von Dingen, die man als Grundverständnis voraussetzt, sollten die Bereiche sein, in welche die Macher von Geschäfts- und integrierten Berichten investieren sollten. Der Leser wird es danken.

Die hohe handwerkliche Qualität ist beim integrierten Bericht von Clariant unbestreitbar und die Tatsache, dass es in der Summe nach 2016 nicht wieder für den ersten Platz im Rating gereicht hat, sollte die Verantwortlichen des Berichts nicht entmutigen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Wir gratulieren Clariant und dem ganzen Team, welches erneut eine Spitzenleistung vollbracht hat, ganz herzlich zum erneuten Sprung auf das Siegertreppchen und den zweiten Gesamtrang im Schweizer Geschäftsberichte-Rating 2017.