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Die Sieger Gesamtwertung

Laudatio für den 3. Gesamtrang
Thomas Wolfram
, Creative Director Martin et Karczinski und Dozent ZHdK

«Das Zahnweh, subjektiv genommen, ist ohne Zweifel unwillkommen; doch hat’s die gute Eigenschaft, dass sich dabei die Lebenskraft, die man nach außen oft verschwendet, auf einen Punkt nach innen wendet und hier energisch konzentriert. Kaum wird der erste Stich verspürt, kaum fühlt man das bekannte Bohren, das Zucken, Rucken und Rumoren, und aus ist’s mit der Weltgeschichte, vergessen sind die Kursberichte, die Steuern und das Einmaleins, kurz, jede Form gewohnten Seins, die sonst real erscheint und wichtig, wird plötzlich wesenlos und nichtig.»

Meine Damen und Herren, Wilhelm Busch wusste, wovon er sprach, denn er hatte seine liebe Müh mit seinem Gebiss. Das Unter­nehmen auf dem Gesamtrang 3 im Geschäftsberichte-Rating hätte ihm bestimmt helfen können, denn es kennt sich aus im Bereich des implantatgestützten und restaurativen Zahnersatzes. 

Vermutlich hätte Busch den Geschäftsbericht der Straumann Group nicht verstanden, denn er erscheint konsequent nur in Englisch. Wenn er aber des Englisch mächtig gewesen wäre, hätte er ein umfassendes Bild eines vielschichtigen Unternehmens erhalten und verstanden, wobei es sich bei Zahnprothetik und oraler Geweberegeneration handelt. Der Bericht ist auch für den Laien verständlich geschrieben und liefert einen raschen Überblick, was das Unternehmen macht und – vor allem – wie es Straumann macht. Dieser Aspekt wurde in der Schlussjury besonders hoch bewertet und mit dem Statement «das machen die am besten von allen» gelobt. 

Im Zentrum des handlichen, zweiteiligen Geschäftsberichts steht das Versprechen «We create opportunities». Die Beweisführung ist anspruchsvoll und wird gleich auf dem Cover angetreten, indem für die verschiedenen Stakeholdergruppen entsprechende Angebote vorgestellt werden. Im Innenteil werden die Opportunities durch Storys weiter angereichert und als visuelle Bildinseln wie ein roter Faden durch die Kapitel gezogen. Die Porträtfotografie ist aussergewöhnlich realistisch und hat in der Bildbearbeitung vielleicht eine Runde zu viel gemacht. Nur drei von zehn Porträtierten zeigen beim Lächeln ihre Zähne – das wirft Fragen auf, macht es aber auch gleichzeitig menschlich.

Der aktuelle Geschäftsbericht erscheint straight und ohne Firlefanz. Der Aufbau und die Struktur sind wunderbar klar und übersichtlich. Das Grundlayout mit seiner unaufdringlichen Typografie nimmt sich vornehm zurück und betont die bewusste Sachlichkeit des Berichts. Die zweifarbigen Infografiken spielen mit einer an PowerPoint angelehnten Ästhetik und schaffen mit grosszügigen Facts punktuell visuelle Erlebnisse. Besonders hervorzuheben sind die Darstellung und der Vergleich zu Märkten und zu Konkurrenten – das macht sonst keiner.

Wer sich nach der Lektüre des gedruckten Geschäftsberichts mit der entsprechenden Onlineversion beschäftigt, sieht sich unvermittelt mit Bergen, Gewässern und Enten konfrontiert. Dieser konzeptionelle und ästhetische Bruch schafft beim Lesenden Irritation. Diese Kritik darf aber als Anregung verstanden werden, diese Lücke noch zu schliessen und das Gesamterlebnis der Berichterstattung als Einheit zu verstehen.

Das Value Reporting im gedruckten Geschäftsbericht ist wie die letzten Jahre auf sehr hohem Niveau. Beim Value Reporting online hingegen hat es noch Luft nach oben – namentlich in den Bereichen Aktionärsinformationen und Corporate Governance. Sollte sich das Unternehmen in diesem Punkt noch verbessern, so würde es an der Spitze noch enger werden.

Aber eben: Selbst die alte Liebe rostet, man weiss nicht, was die Butter kostet, denn einzig in der engen Höhle des Backenzahns weilt die Seele, und unter Toben und Gesaus reift der Entschluss: Er muss heraus!

Wir gratulieren allen, die den Straumann-Geschäftsbericht realisiert haben, zum dritten Gesamtrang und somit zum Sprung aufs Podest.