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Jurybericht Design-Jury 2018

Jonas Voegeli
Jonas Voegeli, Präsident ­Design-Jury
Jirí Chmelik
Jirí Chmelik,
Co-Präsident Design-Jury

Trends

Der neue Trend der Geschäfts­bericht­erstattung 2017 (erschienen im Jahr 2018) heisst Klarheit und löst die Nüchternheit der jüngsten Periode ab. Klar zu kommunizieren, bedeutet zu vereinfachen, einfache Geschichten zu erzählen und kräftige Akzente zu setzen. Mit reduzierten Mitteln wird ein Maximum an Ausdruck angestrebt.

Der Geschäftsbericht hat den Anspruch, Geschehen über die Zeit festzuhalten und zu reflektieren. Das klare Bild der Unternehmens­­situation soll durch die Wiedergabe der Konzernrechnung und den Rechenschaftsbericht des Verwaltungsrats und der Konzernleitung entstehen.

Design ist für die Darstellung der visuellen Wahrnehmungsoberfläche zuständig. Im kolossalen Tabellenwerk der Konzernrechnung geht es um das Lenken des Betrachterblicks, um optische Gewichtung typografischer Inhalte und um strukturell logische Darstellung. Design bewegt sich hier im Bereich der visuellen Ergonomie. Ziel ist es, dem zahlenaffinen Betrachter ein optimales Fundament für seine Analyse zu bieten.

Die Darstellung des Rechenschaftsberichts ist neben einigen standardisierten Formaten (wie den Kennzahlen oder dem Brief des Präsidenten) weitgehend offen. Hier bewegt sich Design von der Oberfläche hinein in die Intimität der Unternehmung. Welche Geschichten sollen auf welche Weise erscheinen? Welche Darstellungsformen sind dem Unternehmen angemessen? Welche kommunikativen Projekte lassen sich im Geschäftsbericht mit dem Unternehmen verwirklichen? Design baut hier kommunikative Konstruktionen. Inhalte werden dem Betrachter in dramaturgisch eingesetzten Gefässen angeboten. Der Geschäftsbericht wird von den unterschiedlichen Interessengruppen selektiv gelesen. Es gilt hier, den Leser mit guter Orientierung und mit einer für ihn nutzbaren gestaffelten Informationstiefe durch das Dokument zu leiten.

Im Rating vermögen Berichte mit klarem Aufbau zu überzeugen. Einzelne, simple Kommunikationsimpulse lassen im Ensemble eine schillernde Welt entstehen. Das Einbinden des Geschäftsberichts in die fortlaufende kommunikative Aktivität des Unternehmens lässt den Bericht zu einer Highlight-Publikation werden. Der gute Bericht vermag es, Energien gegen aussen und innen zu erzeugen. In der Selbstdarstellung der Unternehmensgeschichte gibt es Wow-Momente, die weniger auf die technische Machart gestalterischer Effekte als vielmehr auf die ansteckende Begeisterung an der eigenen Sache zurückgehen.

Medien

Es zeichnet sich eine Verschränkung der traditionellen Aufbereitung eines gedruckten Artefakts und der digitalen Wiedergabe des Berichts in den neuen Medien ab. Vollständig gedruckte Berichte werden weniger breit distribuiert, vielmehr bietet das Angebot eines downloadbaren PDF dem Nutzer die Möglichkeit, selektiv die für ihn interessanten Inhalte herunterzuladen, am Screen zu lesen oder auszudrucken. Kurzformen von Berichten werden als haptische und kommunikativ akzentuierte Objekte ausgestaltet. Eine leichte, transportierbare, emotionale Geste des Unternehmens. Die digitale Welt der neuen Medien bietet neben Information auch eine Bühne für Happenings, mediengerecht in Form von Bewegung und Filmsequenzen in Szene gesetzt.

Im Rating fallen Lösungen auf, die eine gute Balance zwischen Sachlichkeit und Emotionalität finden. Coolness ist das Stichwort, welches den Unterschied ausmacht zwischen einer selbstbewussten Darstellung und unternehmerischer Selbstverliebtheit.

Gewinner

Der Geschäftsbericht des Unternehmens HIAG überzeugt die Jury besonders; sie wählt den Bericht sowohl in der Kategorie Print wie auch Online auf den ersten Rang. Das angenehme, lebendige und unterhaltsame Werk belegt somit den ersten Rang in der Gesamtwertung. Auf den zweiten Rang der Gesamtwertung kommt das narrativ ausgefeilte Werk von Implenia zu stehen (Kategorie Print Rang 3/Kategorie Online Rang 2). Auf dem dritten Rang der Gesamtwertung findet sich das originelle Werk des Unternehmens Siegfried (Kategorie Print Rang 5/Kategorie Online Rang 3).

Folgende Unternehmen haben sich bei den Bewertungen in der Kategorie Design (Print und Online) gegenüber dem Vorjahr stark verbessert bzw. zeichnen sich durch besondere Leistungen aus: Swissquote (Kategorie Rookie Rang 1), Siegfried (Kategorie Rookie Rang 2) und Cembra Money Bank (Kategorie Rookie Rang 3). Sie gewinnen den Titel Aufsteiger des Jahres.

Die Jury gratuliert den Unternehmen und den Designern.

Instrumentarium

Design bespielt Fläche mit visuellen Impulsen. Das sich auf der Oberfläche abzeichnende Bild ist das Resultat einer tiefgreifenden Konzeption. Das Konzept nutzt unternehmerische Absicht und Eigenart und setzt diese in starken Ausdruck um. In einer gelungenen Gesamtkonzeption spielen die einzelnen Teile des Auftritts aufeinander abgestimmte Rollen und führen so zum überzeugenden Gesamteindruck.

Die Disziplin Kommunikationsdesign hat über die Zeit Instrumente ausgebildet, Bilder, Schriften, Grafiken. Die Instrumente sind Teil des kulturellen Raums unseres Alltags. Jedes Instrument hat seine eigenen Funktionalitäten, seine Ausprägungen, seine Traditionen. Design bedient sich der Instrumente und der damit verbundenen kulturellen Konnotation. Erwartungen des Betrachters können erfüllt oder gezielt gebrochen werden. Dem angestrebten gemeinsamen Verständnis liegt die Auseinandersetzung zugrunde.

Das Design-Rating zeigt im Kapital «Special Mention Design» das traditionelle Instrumentarium der Geschäftsberichterstattung auf: das glaubwürdige, sympathische Porträt der Konzernleitung und des Verwaltungsrats. Das faszinierende, begeisternde Bildkonzept. Die klare und tief aufbereitete Infografik. Das übersichtliche Tabellenwerk. Die ansprechende, gliedernde Typografie. Den taktilen, raffinierten physischen Aufbau. Die eindrücklichen, animierenden digitalen Aspekte. Die gezeigten Beispiele wurden in der Jurierung eruiert und von Jurymitgliedern kommentiert. Die Jury gratuliert zu den hervorragenden Resultaten.

Jirí Chmelik,
Co-Präsident Design-Jury