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Value Reporting
Prof. Dr. Alexander F. Wagner, Dr. Sascha Behnk und Roman Schneider, Institut für Banking und Finance

Prof. Dr. Alexander F. Wagner
Prof. Dr. Alexander F. Wagner
Dr. Sascha Behnk
Dr. Sascha Behnk
Roman Schneider
Roman Schneider

Das Value Reporting ist ein zentrales Element wirksamer Investor Relations. Dabei geht es um weit mehr als eine freiwillige, über die Richtlinien der Börsenaufsicht und weitere Rechnungs­legungs­standards hinausgehende Offenlegung. Vielmehr ermöglicht das Value Reporting, Investoren zusätzliche, für ihre Entscheidungsfindung relevante Informationen zur Verfügung zu stellen. Die wertorientierte Berichterstattung soll eine Abschätzung der vergangenen und der zukünftigen Wertentwicklung ermöglichen und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen Management­entscheidungen und Wertschöpfung im Unternehmen aufzeigen.

Dabei bringt Value Reporting sowohl Nutzen als auch Kosten für ein Unternehmen mit sich: Es kann Informations­asymmetrien zwischen Investoren und Unternehmen abbauen, was die Glaubwürdigkeit des Managements erhöht und eine günstigere Kapitalmarkt­finanzierung erlaubt. Andererseits kann umfangreiches Value Reporting aufwendig und in manchen Wettbewerbs­situationen auch wenig förderlich sein. Deswegen ist es wichtig, dass das Management diesem Thema genügend Aufmerksamkeit schenkt und situationsabhängig eine passende Balance anstrebt.

Im Rahmen des Value-Reporting-Ratings wird primär die Sicht von Investoren eingenommen, welche sich mit vertretbarem Zeitaufwand ein Bild über das Unternehmen machen möchten, das für eine potenzielle Investition in Betracht kommt. Im Bewertungsprozess wird jedoch auch berücksichtigt, dass sich das Value Reporting an eine Vielzahl von Adressaten richtet, die weit über Investoren hinaus reicht. Relevante Informationen sollten schliesslich auch für Kunden, Zulieferer, Ratingagenturen, Kreditgeber, Anlageberater, die Wirtschaftspresse sowie die allgemeine Öffentlichkeit zielgruppengerecht kommuniziert werden.

Gerade in der öffentlichen Diskussion um die langfristige Wertentwicklung in Unternehmen rücken zunehmend Themen wie Nachhaltigkeit und unternehmerische Gesellschafts­verantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) in den Mittelpunkt, die eine hohe Bedeutung für eine Vielzahl von Interessengruppen der Unternehmen haben. Dass sich diese Themen nicht mehr auf den unmittelbaren Wirkungsbereich der Betriebe beschränken, sondern vor allem bei international agierenden Unternehmen auch der Einbezug der teils weitreichenden Lieferketten gefordert wird, zeigt sich zum Beispiel an der aktuellen Debatte um die Konzern­verantwortungs­­initiative. Eine wachsende akademische Literatur weist die Wertrelevanz von CSR nach. In der Berichterstattung ist eine Erweiterung der Perspektive um den globalen Fussabdruck eines Unternehmens zumindest aus Sicht des Value Reporting zielführend.

Der Geschäftsbericht hat nicht zuletzt auch unternehmensintern eine hohe Bedeutung. So kann die Zusammenstellung und Aufbereitung der relevanten Informationen zu einer Schärfung der eigenen Ausrichtung und zu einer verbesserten internen Kommunikation beitragen. Die im Geschäftsbericht vermittelte Aufstellung des Unternehmens und seiner Werttreiber bietet in diesem Sinne auch für die eigenen Mitarbeitenden – insbesondere für Neuzugänge – eine nachhaltige Orientierung.

Bewertungsmethodik des Value-Reporting-Ratings

Das Value-Reporting-Rating 2018 wurde durch ein Team unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Wagner, Dr. Sascha Behnk und Roman Schneider am Institut für Banking und Finance (IBF) der Universität Zürich durchgeführt. 25 qualifizierte und engagierte Studierende der Wirtschaftswissenschaften haben sowohl die Geschäftsberichte als auch die Websites der Unternehmen als Ganzes nach betriebs­wirtschaftlichen Kriterien im Sinne des Value Reporting bewertet.1

Bei der Analyse der Geschäftsberichte spielen unter anderem folgende Kriterien eine wichtige Rolle: substanzielle Hintergrund­informationen zum Unternehmen wie Erläuterungen zur Strategie, zu Produkten und Märkten sowie weitere, teils nichtfinanzielle Informationen, welche etwa Angaben zu zukunftsgerichteten Investitionen, Kunden- und Mitarbeiter­zufriedenheit, Innovationen oder Markenführung beinhalten. Hinzu kommen Erläuterungen von Trends, wesentlichen Veränderungen und Zielsetzungen im Unternehmen sowie zu dessen Risikomanagement.

Über die letzten Jahre haben zudem die Themen Nachhaltigkeit und wertorientierte Vergütungspolitik sowohl im öffentlichen als auch im unternehmensinternen Diskurs einen immer höheren Stellenwert eingenommen. Die Value-Reporting-Jury greift diese Entwicklung auf und hat die Messlatte in diesen beiden Kriterienbereichen in den letzten Jahren sukzessive höher gelegt.

Eine wichtige Frage ist dabei, welche Unternehmenspublikationen, die den eigentlichen Geschäftsbericht ergänzen oder darüber hinausgehen, in der Bewertung des Value Reporting Print berücksichtigt werden. Da einige Unternehmen mittlerweile gänzlich auf den gedruckten Geschäftsbericht verzichten, berücksichtigt die Value-Reporting-Jury seit dem Geschäftsberichtsjahr 2014 auch die nur online verfügbaren Berichte, welche meist als PDF oder in einigen wenigen Fällen primär als rein interaktive Website angeboten werden.

Auch hier wird den Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit Rechnung getragen. So stellen zunehmend viele Unternehmen zusätzlich zum gedruckten Geschäftsbericht weitere jährliche Berichte separat auf ihrer Website zur Verfügung, versenden diese aber bisweilen nicht mit dem Geschäftsbericht selbst. Dies ist insbesondere beim Thema Nachhaltigkeit der Fall. Aus diesem Grund werden Nachhaltigkeitsberichte proaktiv von der Jury in die Bewertung eingebunden, sofern ihre letzte Auflage zum Zeitpunkt des Ratings nicht mehr als drei Jahre alt ist. Weitere Zusatzpublikationen oder auf der Unternehmenswebsite verfügbare Informationen werden dann in das Rating einbezogen, sofern im eigentlichen Geschäftsbericht darauf verwiesen wird – zum Beispiel bei Nennung des entsprechenden Berichts bzw. Angabe der Internetadresse – oder sofern diese Berichte auf der Unternehmenswebsite in unmittelbarer Nähe zum Geschäftsbericht aufgeführt werden.

Beobachten lässt sich in diesem Zusammenhang, dass immer mehr Unternehmen auch die klassischen Bereiche des Geschäftsberichts in mehreren Einzelpublikationen veröffentlichen, meist getrennt nach rein quantitativen und eher qualitativen Angaben. Während dieses Vorgehen auf den ersten Blick eine zielgruppenorientiertere Bündelung der Informationen ermöglichen mag, kann es gleichzeitig den Gesamtüberblick und damit die Auffindbarkeit möglicherweise relevanter Informationen für die verschiedenen Interessenten erschweren. Selbst für Finanzanalysten und «Zahlenmenschen» ist der qualitative, nichtfinanzielle Kontext zunehmend von Bedeutung. Zudem sei angemerkt, dass Informationen sehr oft über den gesamten Geschäftsbericht verteilt präsentiert werden, was es Investoren erschwert, ein klares Bild des Unternehmens zu erhalten, ohne die oft mehrere hundert Seiten langen Berichte nach den entsprechend relevanten Informationen zu durchsuchen.

In der Analyse des Value Reporting im Internet werden die Websites der Unternehmen aus der Perspektive eines Investors bewertet, welcher möglichst zeitnah zu den relevanten Informationen gelangen möchte. Folgende Bewertungskriterien werden dabei berücksichtigt: Allgemeine Infos – Unternehmensübersicht bzw. Struktur und Funktionalität, Firmenkalender und Events, Pressemitteilungen und Ad-hoc-Publizität (sofern kotiert), Reports & Financials, Analystendokumentation, Aktionärsinformation, Corporate Governance und Corporate Social Responsibility, Investor-Relations-Archiv, Informationsservice und Social Media (Investor Relations 2.0) sowie Usability, die allgemeine Benutzerfreundlichkeit.

Sowohl beim Value Reporting im Geschäftsbericht als auch beim Value Reporting im Internet sind einige wenige Unterkriterien spezifisch auf kotierte Unternehmen zugeschnitten. Da grundsätzlich nur kotierte Firmen die entsprechenden Anforderungen erfüllen können, werden diese Fragestellungen bei anderen Unternehmen in der Bewertung übersprungen und bei der Ermittlung der Endnoten nicht berücksichtigt. Im diesjährigen Rating wurden jedoch einige dieser Kriterienpunkte, welche sich mit der Ausschüttung der Unternehmen an Kapitalgeber befassen, auch für nicht kotierte Unternehmen zugelassen. Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass auch diese Unternehmen Ausschüttungen vornehmen, zum Beispiel an Fremdkapitalgeber, oder wie im Fall von Kantonalbanken Gewinnausschüttungen an Kanton und Gemeinden vornehmen.

Bei der Bewertung des Value Reporting im Geschäftsbericht wird jedes Kriterium mit Noten zwischen 1 (schlechteste Ausprägung) und 6 (beste Ausprägung) bewertet. Bei der Untersuchung des Value Reporting im Internet wird primär der Erfüllungsgrad (vorhanden/nicht vorhanden) der einzelnen Kriterien gemessen, wobei einige wenige Unterkriterien in Dreierschritten (0, 1 oder 2) bewertet werden. In beiden Kategorien (Geschäftsbericht und Internetauftritt) werden die Noten zu den Einzelkriterien gewichtet und jeweils eine Gesamtnote als Durchschnitt errechnet. Abschliessend fliesst die Gesamtnote des Geschäftsberichts zu 80 Prozent und die Gesamtnote des Internetauftritts zu 20 Prozent in das finale Value-Reporting-Rating ein.

Der vollständige Kriterienkatalog des Value Reporting mit Berechnungsbeispielen und weiteren Regelungen zur Bewertung der Geschäftsberichte sowie weitere Auswertungen können auf der Website des IBF (http://www.bf.uzh.ch/value-reporting) eingesehen werden. Zusätzlich finden sich dort auch Beiträge, die im Rahmen des Forschungsprojekts «Value Reporting» am IBF entstanden sind.2

Resultate des Value-Reporting-Ratings 2018

Der Sieger des Value-Reporting-Ratings 2018 heisst Clariant. Die Value-Reporting-Jury wählte damit erstmals einen integrierten Geschäftsbericht zum Jahresbesten. Dabei hat die grundsätzliche Herangehensweise der integrierten Berichterstattung deutliche Schnittmengen mit dem Value Reporting. Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung werden die verschiedenen Werttreiber im Unternehmen vorgestellt, betriebsinterne Zusammenhänge in der Wertschöpfung aufgezeigt und dabei alle relevanten Interessengruppen des Unternehmens berücksichtigt.3 Die Value-Reporting-Jury würdigte damit implizit auch den Mut des Unternehmens, mit dieser sich deutlich vom klassischen Geschäftsbericht abhebenden Herangehensweise als Vorreiter zu agieren. Clariant hatte bereits 2017 den ersten integrierten Geschäftsbericht nach Vorgaben des International Integrated Reporting Councils (IIRC) veröffentlicht, konnte im aktuell zweiten Jahr den Informationsgehalt in verschiedenen Einzelkriterien aber noch weiter erhöhen. Insgesamt überzeugte das Unternehmen mit einer über alle Bewertungskriterien hinweg ausgeprägten Qualität in der wertorientierten Berichterstattung – sowohl im Geschäftsbericht als auch im Webauftritt des Unternehmens.

In Bezug auf das Value Reporting im Geschäftsbericht liegt Clariant in diesem Jahr auf dem ersten Rang und stieg damit in dieser Unterkategorie des Value-Reporting-Ratings im Vergleich zum Vorjahr um elf Plätze. Das Unternehmen erreichte dabei besonders hohe Punktzahlen in den Bereichen Hintergrund­informationen, Nachhaltigkeit und Risikoinformationen. Beim Kriterium Zieldaten und Glaubwürdigkeit erzielte Clariant die Maximalpunktzahl. Auf Rang zwei folgt die im Vorjahr in der Kategorie Geschäftsbericht auf den dritten Rang gewählte LafargeHolcim und auf Rang drei die im Vorjahr zweitrangierte Swisscom.

Clariant überzeugte zudem erneut auch online und konnte sich in der Kategorie Value Reporting im Internet im Vergleich zum Vorjahr um fünf Plätze auf Rang vier verbessern. Vor Clariant liegen in Sachen Webauftritt in diesem Jahr ABB auf Rang drei, Swisscom unverändert zum Vorjahr auf Rang zwei sowie UBS, die neue Erstrangierte. Die Zusammenführung der beiden Unterkategorien führt schliesslich dazu, dass Clariant auch 2018 in der Gesamtwertung des Value Reporting den Spitzenrang belegt.

Auf Rang zwei in der Value-Reporting-Gesamtwertung liegt die Vorjahressiegerin Swisscom, die ihren Geschäftsbericht umgestaltet und gekürzt hat, aber doch die wesentlichsten Informationen beibehalten konnte, gefolgt auf Rang drei von LafargeHolcim, welche im Vorjahr Rang zwei erzielte. Trotz hoher Bewertungen reichte es für die nächstrangierten Unternehmen Geberit, UBS, Liechtensteinische Landesbank, OC Oerlikon, Sulzer, VP Bank und Zürcher Kantonalbank nicht für die Top 3 im Value Reporting.

Die Top 20: Rangliste Value Reporting 2018

Die nachfolgende Übersicht zeigt die Rangierung der 20 Unternehmen, die im Value-Reporting-Rating 2018 am besten bewertet wurden.

Rangfolge Gesamtwertung   

Value Reporting im   
Geschäfts­bericht   

Value Reporting im
Internet

1. Clariant

1

4

2. Swisscom

3

2

3. LafargeHolcim

2

14

4. Geberit

4

5

5. Liechten­steinische Landesbank

6

6

6. UBS

9

1

7. Sulzer

8

23

8. OC Oerlikon

12

8

9. VP Bank

15

9

10. Straumann

7

41

11. Sika

14

22

12. Roche

18

10

13. Credit Suisse

20

7

14. Nestlé

19

15

15. Givaudan

16

31

16. Zürcher Kantonalbank

5

78

17. SGS

11

60

18. Swiss Re

23

12

19. Komax

13

62

20. Adecco

22

27

Value Reporting im Geschäftsbericht

In Bezug auf die Geschäftsberichte zeigt die inhaltliche Analyse, dass 81 von 230 Unternehmen (35.2%) beim Rating als genügend – sprich mit einer Gesamtnote von mindestens 4 – eingestuft wurden. Dieser Anteil liegt damit nach einem deutlichen Anstieg zwischen den Jahren 2015 und 2017 erstmals wieder niedriger als im Vorjahr (39.1%), ist aber immer noch höher als vor zwei Jahren (2016: 32.0%). Im Vergleich dazu wurden 2003 gerade die drei besten Berichte als genügend empfunden, und trotz einem deutlichen Anstieg waren es auch vor vier Jahren erst 28.8 Prozent. Dies zeigt, dass der Trend langfristig weiterhin als positiv bezeichnet werden kann. Dennoch schaffte es auch dieses Jahr erneut deutlich weniger als die Hälfte aller bewerteten Berichte zu einer genügenden Note. Dies ist nach wie vor ein klares Zeichen dafür, dass bei vielen Unternehmen im Geschäftsbericht ungenutztes Potenzial bezüglich wertorientierter Berichterstattung besteht.

Unverändert zu den Vorjahren punkteten die Unternehmen besonders stark im Kriterium Allgemeiner Eindruck, in dem die Struktur, Auffindbarkeit und Übersicht, aber auch die sprachliche und grafische Darstellung im Geschäftsbericht bewertet wurden. 86.5 Prozent aller Unternehmen erhielten hier eine genügende Note, wie der nachfolgenden Tabelle entnommen werden kann.

Zudem wurde die Qualität der Hintergrund­informationen bei 79.6 Prozent der Unternehmen mit einer mindestens genügenden Note bewertet – insbesondere in der Diskussion wichtiger Produkte des Unternehmens und im Bereich Organisation der Corporate Governance. Zudem erhielten 62.2 Prozent der bewerteten Unternehmen bei den Risikoinformationen eine genügende Note, wobei vor allem die Darstellung der Anwendung des Risikomanagements als gut empfunden wurde.

Kriterienblöcke
Value Reporting

Durch-
schnitt   
in %
(2018)

Standard-
abwei­chung   
in %

Prozent­satz der
Unter­nehmen
mit genügender
Note (mindes­tens 4)

1. Allgemeiner Eindruck

4.75

0.85

86.52

2. Hintergrund­informationen   

4.41

0.72

79.57

3. Wichtige Non-Financials

2.99

0.93

19.57

4. Trendanalyse

3.33

0.87

28.70

5. Risiko­informationen

4.01

1.28

62.17

6. Wertorientierte Vergütungspolitik    

3.57

1.08

40.87

7. Management­diskussion   

3.67

0.86

43.91

8. Zieldaten und Glaubwürdigkeit

2.88

1.25

25.22

9. Nachhaltigkeit (Sustainability)

3.22

1.64

41.30

Gesamt (Geschäftsbericht)

3.62

0.78

35.22

10. Value Reporting im Internet   

3.43

0.58

15.22

Gesamt (Geschäftsbericht/​Internet)

3.58

0.71

29.57

Die Value-Reporting-Jury stellte in diesem Jahr erneut fest, dass sich die Mehrzahl der Geschäftsberichte im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert hat. Entsprechend variieren die Durchschnittsnoten in diesem Zeitraum auch nur bei wenigen Einzelkriterien deutlich. Vergleichsweise schlechter bewertet wurden die Geschäftsberichte vor allem in den Bereichen Allgemeiner Eindruck, Hintergrund­informationen und Wertorientierte Vergütungspolitik. Eine Erhöhung lässt sich hingegen nur in moderater Form und lediglich in den Bereichen Risikoinformationen sowie Zieldaten und Glaubwürdigkeit ausmachen.

Die im Vergleich zum Vorjahr allgemein leicht negativere Bewertung der Geschäftsberichte geht vor allem auf entsprechend gestiegene Erwartungen der Value-Reporting-Jury in verschiedenen Kriterien zurück. Diese resultiert zum einen aus dem Aufgreifen von erhöhten Anforderungen der Investoren und anderer Interessengruppen wie zum Beispiel im Fall der Wertorientierten Vergütungspolitik sowie der Nachhaltigkeit.4 Zum anderen basieren die gestiegenen Erwartungen aber auch darauf, dass einige Unternehmen durch beispielhafte Aufbereitung relevanter Informationen in bestimmten Kriterien die Best-Practice-Messlatte stetig höher legen.

So hat das Gros der Geschäftsberichte trotz der positiven Langfristentwicklung nach wie vor im Bereich der Wichtigen Non-Financials erhebliches Verbesserungspotenzial. Investoren suchen oftmals vergeblich nach ausführlichen Informationen zu Investitionen in die Mitarbeitenden des Unternehmens, zur Markenpflege sowie zur Kunden- oder Mitarbeiterzufriedenheit, inklusive einer Untermauerung durch Umfrageergebnisse und konkrete Massnahmen. Im Bereich der Trendanalyse gibt es insbesondere bei der Darstellung des Investitionstrends über mehrere Jahre Nachholbedarf. Kritisiert wird zum Kriterium Trendanalyse allgemein, dass die Entwicklung zum Teil lediglich im Vorjahresvergleich aufgezeigt wird. Andere Geschäftsberichte stellen die langfristigen Entwicklungen zwar dar, bieten jedoch keine ausführliche Kommentierung dieser Trends – ein wesentlicher Aspekt aus Sicht des Value Reporting. Zudem ist es für Investoren nach wie vor nur selten möglich, im Bereich Zieldaten und Glaubwürdigkeit konkrete Quantifizierungen und Kommentierungen zu gesetzten Rentabilitätszielen zu finden. Dies erschwert Investoren die Einschätzung, ob es sich langfristig lohnt, in ein Unternehmen zu investieren.

Auch die unternehmerische Nachhaltigkeit wird im Schnitt immer noch ungenügend dargestellt. In diesem Kriterium gibt es im aktuellen Jahr erneut die grösste Diskrepanz zwischen den Unternehmen, welche vor allem daraus resultiert, dass einige Unternehmen kein Sustainability Reporting vornehmen, während ihre Konkurrenten zum Teil umfangreiche Berichte zu diesem Thema veröffentlichen. Auch bei vielen der Unternehmen, die bereits eine entsprechende Berichterstattung anfertigen, fehlen bisweilen quantitative Aussagen zur Umweltbelastung oder zur Sozialpolitik. Anstelle allgemeiner Texte mit vielen Platzhaltern sind hier im Sinne des Value Reporting vor allem Beschreibungen konkreter Projekte und Entwicklungen gefragt, die mit Zahlen und Beispielen hinterlegt werden. Positiv zu beurteilen ist in diesem Zusammenhang, dass sich Unternehmen in ihrer Berichterstattung zur Nachhaltigkeit vermehrt auch an internationalen Standards orientieren, wie zum Beispiel an den Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI).

Auf dem Gebiet der Wertorientierten Vergütungspolitik fehlt in vielen Fällen weiterhin eine Darlegung der im Berichtsjahr erreichten Ziele und der daraus abgeleiteten, variablen Vergütungsbestandteile in der Beschreibung des Vergütungssystems. Während immer mehr Unternehmen zumindest eine Zielerreichung auf aggregiertem Niveau veröffentlichen, werden in vielen Geschäftsberichten nach wie vor keine Angaben zu diesem Aspekt gemacht. So ist es für den Leser häufig schwierig, aus dem Geschäftsbericht einen klaren Eindruck vom Zusammenhang zwischen gezahlter Vergütung und erzielter Leistung der Geschäftsleitung (Pay-for-Performance) zu erhalten.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Darstellung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen bei den meisten Unternehmen erst in den Kinderschuhen steckt. Um sich als Investor ein integratives Bild über das Unternehmen zu verschaffen und Entscheidungen des Managements besser nachvollziehen zu können, wäre eine deutlichere Darstellung der kausalen Zusammenhänge in den wesentlichen Bereichen des Value Reporting in der Zukunft wünschenswert.

Value Reporting im Internet

Neben dem eigentlichen Geschäftsbericht wurden auch die Internetauftritte der Unternehmen von der Value-Reporting-Jury bewertet. Dabei zeigte sich relativ wenig Bewegung im Vergleich zum Vorjahr. Die Gesamtbewertung der Internetauftritte ist aus Investorenperspektive marginal gesunken. Dies hat unter anderem den Grund, dass von der Value-Reporting-Jury aufgrund der sich stetig weiterentwickelnden technischen Möglichkeiten in Verbindung mit gestiegenen Informationsansprüchen von Investoren im aktuellen Jahr auch in diesem Bereich leicht höhere Massstäbe gesetzt wurden. Dabei sieht man nach wie vor in einigen Kriterienpunkten, dass die Digitalisierung und damit auch eine Verlagerung von Informationen zur wertorientierten Berichterstattung in den Internetauftritt der Unternehmen weiter voranschreiten. Zudem sind einige Unternehmen in den vergangenen Jahren dazu übergegangen, ihre Geschäftsberichte in ihren Internetauftritt zu integrieren. Sie haben dabei die Chance genutzt, diese wesentlich interaktiver zu gestalten.

In Bezug auf die durchschnittlich vergebenen Noten schnitten die Unternehmen wie bereits im Vorjahr besonders gut in den Bereichen Allgemeine Struktur und Funktionalität, Pressemitteilungen und Ad-hoc-Publizität sowie in der Darstellung von Aktionärs­informationen zu Corporate Governance und Social Responsibility ab. Zudem zeigt sich in den Bereichen Pressemitteilungen und Ad-hoc-Publizität, Firmenkalender und Events sowie in Bezug auf das Investor-Relations-Archiv, dass einige Unternehmen das Potenzial ihrer Internetauftritte im Sinne des Value Reporting in diesen Kriterien leicht verbessern konnten.

Erneut bedarf das Value Reporting im Internet vor allem in Bezug auf die Kriterien Firmenkalender und Events, Analystendokumentation sowie Investor-Relations-Archiv weiterer Verbesserungen. Es zeigt sich ausserdem nach wie vor in der Nutzung von Social Media zur Kommunikation mit Investoren ein hohes Ausbaupotenzial. Bemerkenswert ist dabei, dass selbst viele der Unternehmen, die in Bezug auf den gedruckten Geschäftsbericht sehr gut abschnitten, zum Teil noch deutliches, unausgeschöpftes Potenzial bezüglich des Value Reporting im Internet aufwiesen.

Viele Unternehmen verfügen zudem immer noch über einen sehr einfachen Internetauftritt, der Investoren nur wenig zusätzlichen Informationsgehalt bietet. Dies steht im Widerspruch zu dem Trend, dass Investoren vermehrt auf dieses Medium zur Informationsgewinnung zurückgreifen. Zudem ist die Online-Berichterstattung natürlich ökologischer als das Drucken der Geschäftsberichte.

Folgende Durchschnittsdaten ergeben sich aus dem Rating 2018 für das Value Reporting im Internet:

Kriterienblock Value Reporting
im Internet

Durch­schnitt   
in %
(2018)

Prozent­satz der
Unter­nehmen
mit genügender
Note5 (über 4)

0 Allgemeine Infos –
   Unternehmensübersicht

55.65

48.70

1 Allgemeine Struktur und
   Funktionalität

90.05

96.96

2 Firmenkalender und Events

37.26

28.70

3 Pressemitteilungen und
   Ad-hoc-Publizität

72.46

42.17

4 Reports & Financials

40.85

10.87

5 Analystendokumentation

37.39

3.04

6 Aktionärsinformationen,
   Corporate Governance und
   Social Responsibility

66.46

39.57

7 Investor-Relations-Archiv

39.42

17.83

8 Informationsservice und
   Social Media (IR 2.0)

37.02

10.87

9 Usability

54.90

38.26

Gesamt

51.53

15.22

Die Aufsteiger im Bereich Value Reporting

Viele Unternehmen sind spürbar bestrebt, ihre Berichterstattung zu verbessern. In einzelnen Fällen gibt es grössere Veränderungen, da sich Unternehmen entschlossen haben, deutlich mehr Informationen offenzulegen oder anders zu präsentieren. Solch deutliche Rangverbesserungen sind naturgemäss vorwiegend bei denjenigen Unternehmen möglich, die im Vorjahr noch im Mittelfeld oder im unteren Bereich der Rangliste lagen. Hier können – abhängig von den Bewertungen im eigenen Umfeld der Rangliste – zum Teil auch moderate Punkterhöhungen für eine deutliche Verbesserung des Listenrangs ausreichen. Aus diesem Grund wurden von der Value-Reporting-Jury 2018 erstmals neben den reinen Punktzahlen auch qualitative Aspekte berücksichtigt und solche Unternehmen als Aufsteiger ausgezeichnet, deren deutliche Rangverbesserungen durch besondere Fortschritte im Geschäftsbericht erzielt wurden.

Im diesjährigen Value-Reporting-Rating verzeichnete das Pharmaunternehmen Siegfried die stärkste Rangverbesserung und stieg um 65 Plätze. Im Vergleich zum Vorjahr wurde der qualitative Abschnitt des Geschäftsberichts deutlich ausgebaut, wodurch das Unternehmen in vielen Kriterien zum Value Reporting im Geschäftsbericht einen Punktzuwachs erzielte. Die deutlichsten Punkterhöhungen konnten in den Bereichen Wichtige Non-Financials, Trendanalyse sowie Zieldaten und Glaubwürdigkeit verzeichnet werden. Darunter wurde in neuen Abschnitten auf verschiedene, aus Value-Reporting-Sicht relevante Aspekte eingegangen wie zum Beispiel die strategische Ausrichtung des Unternehmens oder die Markenpflege. Gewürdigt wurde von der Jury dabei auch, dass viele der in den letzten Jahren in Sonderpublikationen veröffentlichten Informationen nun in den eigentlichen Geschäftsbericht integriert wurden. Zudem konnte Siegfried in diesem Jahr eine positivere Bewertung des Value Reporting im Internet verzeichnen.

Auf den zweiten Rang der Aufsteiger wählte die Value-Reporting-Jury das Immobilien­unternehmen Warteck Invest, welches 43 Rangverbesserungen im Vergleich zum Vorjahr erzielte. Die zugrunde liegenden Verbesserungen basieren neben leichten Punktgewinnen in verschiedenen Bereichen des Geschäftsberichts vor allem auf dem Bereich der Nachhaltigkeit. Die Jury würdigte den Schritt des Unternehmens, im aktuellen Geschäftsbericht erstmalig detailliertere Informationen zu seiner nachhaltigen Ausrichtung bereitzustellen.

Schliesslich wurde die Vermögensverwaltung GAM von der Value-Reporting-Jury als drittrangierte Aufsteigerin ausgewählt. Das Unternehmen verbesserte sich insgesamt um 41 Plätze. Ausschlaggebend war hier neben verschiedenen Punktzuwächsen wie in den Bereichen Wichtige Non-Financials, Trendanalyse und Nachhaltigkeit vor allem eine deutliche Überarbeitung des Vergütungsberichts. Im Bereich der Wertorientierten Vergütungspolitik wurde unter anderem eine Konkretisierung der Vergütungsphilosophie und ein beispielhafter Ausweis des Zusammenhangs zwischen Leistung des Managements und gezahlter Vergütung (Pay-for-Performance) gewürdigt.

Unternehmen

Rangverbesserung

Siegfried

+65

Warteck Invest

+43

GAM

+41

Fazit zum Value-Reporting-Rating 2018

Im Rahmen des diesjährigen Ratings fiel die Gesamtentwicklung trotz einigen beispielhaften Fortschritten in einzelnen Geschäftsberichten erneut verhältnismässig moderat aus. Massgeblich dafür ist, dass erneut in vielen Fällen kaum eine Veränderung im qualitativen Teil des Geschäftsberichts beobachtet werden konnte. Dabei wurden teilweise auch einfach zu generierende und grundlegende Informationen zur langfristigen Wertgenerierung im Unternehmen nicht bereitgestellt. Dies zeigt, dass das Bewusstsein für die Bedeutung des Value Reporting in der Kommunikation mit externen und internen Interessengruppen bei einigen Unternehmen noch nicht voll ausgeprägt ist.

Der leichte Rückgang in den durchschnittlichen Bewertungen der Mehrzahl der Kriterienbereiche ist zudem auch auf eine gestiegene Erwartung der Value-Reporting-Jury zurückzuführen. Die Jury greift damit das sich verstärkende Bewusstsein aufseiten der Investoren auf, die vermehrt relevante Informationen in den unter anderem auch für das Value Reporting wesentlichen Bereichen Vergütung und Nachhaltigkeit einfordern.

Dabei gibt es keine allgemeine Best Practice, die für jedes Unternehmen vorschreibt, welche freiwilligen Informationen im Geschäftsbericht enthalten sein und in welchem Umfang bzw. in welcher Form diese präsentiert werden sollten. Jedes Unternehmen kann und muss ganz bewusste Entscheide zur Value Reporting Politik selber treffen.

 

(1)Mit dem vor fast 20 Jahren initiierten Projekt «Value Reporting» ist das IBF nachhaltig in der Forschung zu diesem Bereich engagiert. Wissenschaftlich wegleitend war dabei Labhart, P. A. (1999): Value Reporting. Informationsbedürfnisse des Kapitalmarktes und Wertsteigerung durch Reporting. Zürich 1999.

(2)Eugster, F./Wagner, A. (2018): Value Reporting Quality, Operating Performance, and Stock Market Valuations. Working Paper, IBF, Universität Zürich, 2018. Herunterladbar: http://ssrn.com/abstract=1879804. Labhart, P./Volkart, R. (2009): Investor Relations als Wertsteigerungsmanagement. In: Kirchhoff, K. R./Piwinger, M. (Hrsg.): Praxishandbuch Investor Relations. Das Standardwerk der Finanzkommunikation. 2. Auflage, München 2009, S. 201–220. Gamper, P. Ch./Volkart, R./Wilde, M. (2006): Value Reporting und aktive Investor Relations – Instrumente der Transparenzsteigerung. In: Der Schweizer Treuhänder, Nr. 9, 2006, S. 642–647.

(3)Eugster/Wagner (2018) stellen die wesentlichen Aspekte von Integrated Reporting dem hier verwendeten Value-Reporting-Rating gegenüber. Sie finden grosse Übereinstimmung. Dies überrascht nicht weiter, bezieht Integrated Reporting doch wesentliche Inspiration aus dem Value-Reporting-Konzept. Zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Konzept des integrierten Reportings siehe Volkart, R. (2015): Finanzielle Berichterstattung im Wandel: Vom Jahresabschluss zum «Integrated Reporting». In: Der Schweizer Treuhänder, Nr. 6–7, 2015, S. 460–486.

(4)Siehe zum Beispiel SWIPRA (2017): SWIPRA Corporate Governance Umfrage 2017, abrufbar unter: http://swipra.ch/news/80/63/SWIRPA-Corporate-Governance-Umfrage-2017/. Wagner ist Präsident des Stiftungsrats von SWIPRA.

(5)Während für den Bereich Value Reporting im Geschäftsbericht Noten von 1 bis 6 vergeben werden, wird die Punktvergabe im Bereich Value Reporting im Internet in Prozentsätzen ausgedrückt. Um diese in das Notensystem von 1 bis 6 zu übersetzen und damit vergleichbar zu machen, werden die Prozentsätze mit 5 multipliziert, und anschliessend wird eine Einheit addiert (Prozentsatz*5+1).