Ranking

Die Sieger Gesamtwertung

Laudatio für den 3. Gesamtrang
Bernhard Schweizer
, Partner Sensus Communication Consultants und Studiengangsleiter Bachelor of Science in Business Communications an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich

Die Schlussjury hat mit Überzeugung einen neuen Namen auf Rang drei gesetzt: Implenia. Schon im Vorjahr hatte die Gesellschaft die Design-Jury online wie auch in der Printversion beeindruckt. Die vor Jahresfrist viertrangierte Gesellschaft rückte neu auf den zweiten Design-Rang vor. Weitaus grössere Sprünge nach oben schaffte Implenia aber im Value Reporting: Sowohl online als auch in Print hat sich Implenia jeweils um rund die Hälfte der Ränge verbessert und kam auf Rang 39 zu liegen. Das ist zwar noch kein eigentlicher Spitzenrang, aber mehr als solide, und reichte für den Einzug in die Top 12.

Das Berichterstattungspaket von Implenia hat der Jury auf breiter Front gefallen: Formal wurden die kompakte Handlichkeit des A5-formatigen Berichts, der sich rasch erschliessende Aufbau des Berichts und das durchgängige Design-Konzept hervorgehoben. Inhaltlich überzeugte die durchwegs verständliche Sprache, die nachvollziehbare Darstellung von Vision, Unternehmenswerten und Geschäftsmodell, der gut portionierte Geschäftsbericht im engeren Sinne mit seinen mehrfachen und trotzdem nicht repetitiven Zugängen via Brief, Interview, Bericht und den gesonderten Sparten-, Themen- oder Stakeholder-Berichten.

Gerade im Value Reporting hat Implenia viel Terrain aufgeholt. Ein Blick auf den Online-Geschäftsbericht von Implenia sei Gestaltern daher empfohlen. Man kann eine übersichtliche Darstellung auch ohne Übermass an Scrollerei verwirklichen. Die 5-Jahre-Übersicht als Excel-Tabelle ist eine einfache, willkommene und tatsächlich brauchbare Lösung. Die zum Endbetrag durchratternden Zahlen hingegen sind optische Spielerei. Offline gefiel der übersichtlich aufbereitete und mit viel Detailinformation aufwartende Finanzteil aus der Sicht der Finanzanalyse als Arbeitsinstrument.

In einem engen Spitzenfeld kamen in der Schlussdiskussion unvermeidlich auch Kontroversen auf. Die Jury möchte hier selber auch transparent sein. Die Fokusreportagen sind einladend aufbereitet und vermitteln dem Laien einen packenden Einblick in die Tätigkeit von Implenia. Sie gefielen für sich genommen, machen den Geschäftsbericht aber auch schwer – einige in der Jury sagten «zu dick». Gerade in einem Geschäftsjahr, das nur teilweise gut lief, sollte nichts hinter kreativem Storytelling versteckt werde. So wurde in der Diskussion gefragt, ob ein Bericht das Geschäftsjahr wirklich klar, wahr und vollständig darstellt, wenn jahresbestimmende Themen wie etwa die vorgenommenen Risikoanpassungen und der Streitfall ums Zürcher Letzigrund-Stadion praktisch nur in den Erläuterungen zum Finanzteil abgehandelt werden. Wird der Blick nicht mit den gelungenen Reportagen verstellt und das Jahr zu rosig präsentiert? Bleiben wir noch kurz beim Einsatz von Farben und Fotos: Sicherlich liessen sich das Orange der oft abgebildeten Arbeitsschutzkleider und die gestalterische Leitfarbe auch noch etwas sorgfältiger angleichen. Zuweilen beissen sich die Farbnuancen.

Rundum gefallen hat die sympathische Fotografie der Geschäftsleitung. Doch knüpfte hier wiederum eine Frage an: Was sagt es indirekt über die gelebte Corporate Governance einer Gesellschaft aus, wenn der Verwaltungsrat und sein Präsident als eigentliche Absender des Berichts an die Aktionäre fotografisch erst in der Mitte des gedruckten Berichts und kleinformatig auftreten, während das Management vorne bildlich grosszügig präsent ist?

Zum Schluss erlaube ich mir noch einen persönlichen Punkt: Was soll ich als Leser mit einer zu nichts in Bezug gesetzten Angabe wie «Umsatz CHF 3859 Mio.»? Also setzen Sie bitte einen Vergleichswert hinzu oder lassen Sie es sein.

Implenia hat mit dem Geschäftsbericht summa summarum einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht. Wir gratulieren dem Kommunikationsteam ganz herzlich für den verdienten Sprung aufs Treppchen!