Ranking

Die Sieger Gesamtwertung

Laudatio für den 2. Gesamtrang
Dirk Ruschmann,
Mitglied Chefredaktion BILANZ

Beim Thema Banken tut sich in meiner Branche, dem Wirtschafts­journalismus, eine auffällige Kluft auf, wie es sie in dieser Tiefe ansonsten wohl nur noch beim Sport-Ressort gibt: Wer drin ist, will auf keinen Fall raus. Und wer nicht drin ist, will auf keinen Fall rein.

Denn Banking ist ein ganz eigenes Geschäft, kompliziert, mit einer eigenen Terminologie – ob gewollt oder nicht, das schreckt viele Aussenstehende ab. Doch dass es auch anders geht, beweist die Liechtensteinische Landesbank in ihrem Geschäftsbericht.

Hier ein Auszug daraus, die Beschreibung des Geschäftsmodells – einer der Kernpunkte in jedem Geschäftsbericht:

«Das Geschäftsmodell der LLB-Gruppe beruht auf drei ertragsstarken Marktdivisionen», «Retail & Corporate Banking umfasst das Universal­banken­geschäft in den Heimmärkten Liechtenstein und Schweiz (…) Damit steht Privat- und Firmenkunden die gesamte Bandbreite einer Universalbank zur Verfügung.» Die zweite Division, Private Banking, umfasst «Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Vermögensstrukturierung, Finanzierungen sowie Finanz- und Vorsorgeplanung».

Solche Sätze versteht auch ein Nicht-Banken-Journalist wie ich.

Zum Vergleich eine Passage aus einem Geschäftsbericht, der auch zu den diesjährigen Preisträgern gehört; wieder geht es um das Geschäftsmodell:

«Mehrwert schaffen steht (…) im Mittelpunkt. Das Geschäftsmodell des Unternehmens basiert auf drei Phasen der Wertschöpfung, die unterschiedliche Ressourcen in innovative, nachhaltige Lösungen umwandeln und für alle Stakeholder Mehrwert generieren» – und dieser «ganzheitliche Wertschöpfungsansatz» werde kommuniziert «in den drei Dimensionen Performance, People und Planet».

Hier kann man schon mal ins Grübeln geraten, was die Angestellten dieser Firma den ganzen Tag eigentlich machen.

Die Liechtensteinische Landesbank zeichnet sich also aus durch ihre klare Informationspolitik, ihren nüchternen Schreibstil. Aber es gibt weitere Highlights: Die LLB hat schriftlich Finanzziele bis Ende des Jahres 2020 definiert – so viel Mut zur Festlegung muss man lange suchen, und darüber hat insbesondere der Finanzanalyst in der Jury gejubelt. Gelobt wurde auch die gute Übersichtlichkeit des Berichts, es gibt ein ausführliches Organigramm inklusive Personennamen, auch das ist leider nicht Standard, sondern eine lobenswerte Ausnahme. Der Printbericht ist typografisch sehr sauber, hat ein klares, puristisches Layout, es gibt keine einzige schlecht gestaltete Grafik.

Online setzt sich die Klarheit fort. Die Leserführung ist vorbildhaft, und mit einem Zahlentool kann der Nutzer in wenigen Klicks alle möglichen Finanzkennzahlen über die letzten fünf Jahre vergleichen.

Es gibt aber auch verbesserungswürdige Punkte. Lange diskutiert hat die Jury über die Dialoge von Bankmitarbeitenden mit Externen über das Thema Exzellenz. Im Print mit Fotos und Satzkästchen – ähnlich wie Sprechblasen – gelöst, online mit einem geschriebenen Interview und Einspielfilmen. Manche Juroren fanden das aufgesetzt oder fragten sich, wo der Zusammenhang mit dem Bankgeschäft liegt.

Es gibt auch etwas unfreiwillige Komik: bei den Bildern von Verwaltungsrat und Konzernleitung. Offenbar hat der Fotograf die armen Leute gezwungen, ihre Posen mit Gesten aufzulockern — als ob sie gerade etwas erklären würden. Aber leider machen die meisten zwar brav ihre Gesten, sagen dabei aber gar nichts. Auf jeden Fall steigert das den Unterhaltungswert.

Das ändert nichts daran, dass die Liechten­steinische Landesbank unter den Banken klar den besten Geschäftsbericht abgeliefert hat. Ein Jurymitglied hat es so zusammengefasst: Die sind seit Jahren vorne dabei, und sie werden immer besser.

In diesem Sinne Gratulation an das Team der Liechtensteinischen Landesbank zum zweiten Rang im Geschäftsberichte-Rating 2018!