Ranking

Die Sieger Gesamtwertung

Laudatio für den 1. Gesamtrang
Mattia Conconi
, Gottschalk+Ash International,
Design Consultants

Einfach gut gemacht!

Nach diesem Motto schafft es der Geberit Geschäftsbericht an die Spitze des Gesamtratings. Er ist weder der Erste in der ­Kategorie Design, noch im Value Reporting, doch er kommt in die Top 12, wo er die Schlussjury überzeugt und schliesslich auf Platz eins landet.

Wer im Geschäftsbericht des diesjährigen Siegers Revolu­tionäres sucht, wird enttäuscht. Geberit sucht nicht das Spektakel. Im Gegenteil, der Fortschritt des Berichts gegenüber dem vorjährigen ist fast unscheinbar und gleicht der Vorgehensweise der Produktentwicklung ihrer Research & Development-Abteilung: eine kontinuierliche Weiterentwicklung, die nach Verbesserung und Qualität strebt.

Die digitale Version des Geschäftsberichts ist konventionell im besten Sinn und somit einfach handzuhaben, vertrauen­erweckend und zeigt, dass Geberit den Umgang mit dem digitalen Medium beherrscht. So setzt die Firma auf neue prag­matische Funktionen, wie beispielsweise ein Ührchen als Orientierungshilfe. Auch gelingt es Geberit, ausserordentliche Kosten transparent darzustellen, etwas, was nicht oft zu sehen ist.

Aber … «Non tutto è oro quel che luccica» – «Es ist nicht alles Gold, was glänzt». Es gab auch kritische Stimmen in der Jury. Zum einen gab die Bezeichnung Integrierter Geschäftsbericht in der digitalen Version Stoff für Diskussionen, da sie schlichtweg nicht den Tatsachen entspricht. Zum anderen wurde ange­zweifelt, ob die Unterteilung des Berichts für verschiedene Zielgruppen sinnvoll sei und nicht ein einziger Report handlicher ­gewesen wäre. Das Rezept für den idealen Geschäftsbericht ist noch nicht entdeckt worden, auch nicht von Geberit.

Und vielleicht fragen sich nun einige von Ihnen: Wie kann es ein nicht so perfekter Jahresbericht auf den ersten Rang schaffen? Von Verwaltungsratspräsident Albert M. Baehny weiss man, dass er bei seinen obersten Managern vor allem auf die Werte achtet — dass er lieber den Zweitbesten punkto Fachwissen nimmt, wenn dafür seine Werte perfekt stimmen. Eben, es sind die Werte, die bei Geberit stimmen. Hier wird ehrlich und authentisch kommuniziert und das überzeugt die Jury.

Doch konkret: Welche gestalterischen Mittel setzt Geberit ein? Lassen Sie es mich aus Sicht des Designers erklären. Zum einen verwendet Geberit eine umfangreiche und vielfältige Bildwelt: Renderings, Produktaufnahmen und Pläne werden mit Schnappschüssen, Porträts und kommerziellen Bildern kombiniert. Dies wirkt aufrichtig und greifbar und lässt den Leser am Geschäftsjahr teilhaben.

Gut aufbereitete Zahlen werden grosszügig und stolz mit viel Weissraum zelebriert. Nichts wird versteckt, Ehrlichkeit steht an erster Stelle.

Das kleine Format lässt weniger Information pro Seite zu und schafft somit eine bessere Übersicht und Klarheit. Dies wird typografisch unterstützt: Die Schriftstärke passt zum Ausdruck, die Zeilenlängen sind richtig gewählt und die Absatzlängen wirken einladend und dementsprechend angenehm zu lesen.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Die sorgfältig gestalteten Layouts sprechen die unterschiedlichen Zielgruppen an. Die ­Informationen sind mühelos zugänglich. Der Bericht dient der Abbildung der Realität.

Meiner Meinung nach, und auch jener der Jury, der Geschäftsbericht strahlt Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit aus. Durch ihr langjähriges Bestehen scheint Geberit zu wissen, wie man sich dem Publikum präsentiert. Ihren Auftrag, ihre Share- und Stakeholder über die finanzielle Lage der Firma zu informieren, erledigen sie, ohne über das Ziel hinaus zu schiessen. Doch Geberit ­beherrscht nicht nur die Pflicht, sondern auch die Kür: Man spürt eine Leidenschaft, die Freude an dieser Aufgabe.